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Aktuell erfolgt die HIV-Therapie in den meisten Fällen durch die tägliche orale Einnahme von Tabletten, wobei die Therapietreue eine wichtige Rolle spielt und das Vergessen der Tabletteneinnahme möglichst verhindert werden sollte, um einer Resistenzbildung der eingesetzten Wirkstoffe entgegenzuwirken.

Mit den Injektionen Vocabria® (Wirkstoff Cabotegravir) und Rekambys® (Wirkstoff Rilpivirin), die 2021 auf den Markt gekommen sind und die beide in der Regel in einem 2-Monats-Rhythmus gespritzt werden, konnte bereits einigen Patienten im Hinblick auf die HIV-Therapie das Leben vereinfacht werden.

Der neue Wirkstoff Lenacapavir ist ein antiretroviraler Wirkstoff, der als sogenannter Kapsid-Inhibitor fungiert und nach seiner Zulassung das erste Mittel seiner Art auf dem Markt wäre. Dieser soll über die Firma Gilead unter dem Handelsnamen Sunlenca® vertrieben werden. Das „Innovative“ und Besondere an dem Wirkstoff ist seine lange Wirkdauer. Nach einer oralen Einleitungsphase von zwei Wochen würde die tägliche Tabletteneinnahme durch Injektionen ersetzt werden, die in einem Abstand von 6 Monaten verabreicht werden würden. Vor allem Patienten, denen mit ihrer aktuellen Therapie nicht mehr ausreichend geholfen werden kann, würden von dieser neuen Therapie-Option profitieren.

Die EMA (Europäische Arzneimittel-Agentur) hat für Lenacapavir eine Zulassungsempfehlung ausgesprochen, jedoch steht noch die Erteilung der eigentlichen Zulassung der Europäischen Kommission aus.

Quelle: https://www.apotheke-adholc.de/nachrichten/details/markt/lenacapavir-neues-langwirksames-hiv-mittel-kommt/

Bisher ist es noch nicht gelungen, eine wirksame Schutzimpfung für HIV zu entwickeln. An der Technischen Hochschule Köln sind erste Erkenntnisse vielversprechend.

Die Schwierigkeit in der Entwicklung des Impfstoffes ist, dass das HI-Virus so schnell mutiert und ein breites Spektrum an Virus-Stämmen ausbildet.

In der Technischen Hochschule Köln wird an einem Impfstoff nach dem Mosaik-Prinzip geforscht. Entwickelt wurde dieser in dem Unternehmen Janssen, der Pharmasparte des Konzerns Johnson&Johnson. Dabei werden Bestandteile verschiedener HI-Viren kombiniert, weswegen der Impfstoff als besonders vielversprechend gilt.

Schutzimpfungen beinhalten Merkmale des Virus in einer ungefährlichen Form. Das körpereigene Immunsystem erkennt und bekämpft anschließend diese. Dadurch erkennt das Immunsystem bei einer Infektion das Virus und kann dieses neutralisieren.

Der vielversprechende Mosaik-Impfstoff basiert auf viralen Vektoren, modifizierte und vermehrungsfähige Viren, deren Erbgut durch genetische Informationen ersetzt wird. In diesen viralen Vektoren sind mehrere synthetisch hergestellte Gene enthalten, die aus Abschnitten von HIV-Varianten bestehen. Aufgrund dieser Vielzahl an synthetisch hergestellten Genen wird eine möglichst breite Immunantwort erwartet.

Derzeit befindet sich der Mosaik-Impfstoff in der klinischen Testphase 3. Das bedeutet, dass er in einer größeren Studiengruppe bereits erprobt wird. Auch wenn es sich dabei um die letzte Testphase handelt, ist das leider noch keine Garantie dafür, dass der Impfstoff auch auf den Markt kommt.

Quelle: https://www.noz.de/deutschland-welt/xl-magazin/artikel/koelner-forscher-bringen-suche-nach-aids-impfstoff-weiter-42423938

Seit der Entdeckung des HI Virus schreitet die Entwicklung der Medikamente immer weiter voran. Es werden immer effektivere Wirkstoffe gefunden, die den Medikamenten der älteren Generation in Wirksamkeit und Verträglichkeit deutlich überlegen sind.

Die Lebenserwartung von HIV-Patient:Innen  kann mit der richtigen Therapie ähnlich hoch sein, wie die von nicht HIV-positiven. Gesundheitliche Themen, ausreichende Bewegung und eine gesunde Ernährung rücken im Leben der Patient:Innen deutlich in den Vordergrund. Die Lebensqualität kann durch die genannten Aspekte, sowie die modernen Kombinationen aus nur zwei Wirkstoffen, positiv beeinflusst werden.

Polypharmazie und HIV-Therapie
Im Alter können bei HIV-positiven und HIV-negativen Menschen dieselben gesundheitlichen Probleme auftreten, welche eine weitere medikamentöse Therapie erfordern. Daher wird angestrebt möglichst wenige Substanzen in die Therapie einzubinden, um etwaige Wechselwirkungen der Substanzen zu verhindern.

Betrachtet man die HIV-Therapie, die ab Mitte der 1990er Jahre verordnet wurde, so fällt auf, dass meistens drei oder vier Wirkstoffe in Kombination angewandt wurden. In den Leitlinien zur HIV-Therapie werden heute auch Kombinationen aus nur zwei Wirkstoffen empfohlen.

In der Studie „Positiven Perspektiven 2“ wurde das Verhältnis der Lebensqualität und der Polypharmazie untersucht. Als Polypharmazie wird hier die Einnahme von fünf oder mehr Tabletten pro Tag definiert, die dazu führen kann, dass die Einnahmetreue der Patient:Innen sinkt und das Risiko von Nebenwirkungen und Wechselwirkungen erhöht wird.

In der genannten Studie wurden weltweit 2.389 HIV-positive Menschen befragt. 82% der Befragten gaben an, dass sie mindestens ein zusätzliches Medikament einnehmen und besorgt darüber seien im Alter noch mehr Medikamente einnehmen zu müssen.

65% der Befragten sind offen für eine Therapie mit weniger Wirkstoffen bei gleicher Wirksamkeit.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der in der Studie beleuchtet wurde, ist die Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen den Ärzt:Innen und Patient:Innen. Die Patient:Innen mit in die eigene Therapie einzubinden, Wünsche und Schwierigkeiten offen zu besprechen, bietet eine große Chance die Lebensqualität von HIV-positiven Personen dauerhaft zu erhöhen.

Im Fokus der HIV-Therapie liegt heute also neben der höheren Überlebenswahrscheinlichkeit, eine Therapie zu entwickeln, die dem HIV-positiven Menschen hilft die Lebensqualität zu verbessern und gleichzeitig Nebenwirkungen und Interaktionen mit anderen Medikamenten, vor allem im Alter, zu vermeiden.

Seit Neustem gibt es die für Sie kostenlose pharmazeutische Dienstleistung der Medikationsberatung in Apotheken. Das bedeutet, dass wenn Sie fünf oder mehr verschreibungspflichtige Arzneimittel verordnet bekommen, diese von einer  Apotheker:In überprüfen lassen können, ob eventuelle Wechselwirkungen zwischen den Arzneimitteln, oder eventuell auch  Nahrungsergänzungsmitteln bestehen oder anderweitige arzneimittelbezogene Probleme vorliegen, die eventuell die Therapiesicherheit beeinflussen.

Quelle: Deutsch Österreichische Leitlinie zur antiretroviralen Therapie der HV1-Infektion; Livlife.com/dam/cf-viiv/livlife/de_DE/pp2/documents/viiv_positive_perspektiven_2_Ergebnisbericht_2021.pdf