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Durch die heutzutage erhältliche HIV-Therapien kann sichergestellt werden, dass Menschen mit HIV gesunde Kinder bekommen können. Durch die Medikamente wird die Viruslast soweit bis unter die Nachweisgrenze gesenkt, dass ist eine Übertragung auf das Kind nahezu ausgeschlossen wird. Auch Schwangerschaft, Geburt und Stillen sind dann meist problemlos möglich. Voraussetzung ist jedoch eine konsequente Behandlung und eine engmaschige medizinische Betreuung.
Genau diese Versorgung gerät in Südafrika zunehmend unter Druck. Durch Kürzungen der US-Hilfen im Rahmen des HIV-Programms PEPFAR sind wichtige Strukturen weggebrochen: Personal wurde entlassen, Beratungsangebote gestrichen und Nachverfolgungssysteme eingeschränkt. Besonders betroffen sind schwangere und stillende Frauen.
Viele Frauen erfahren erst während der Schwangerschaft von ihrer HIV-Infektion und sind auf schnelle Unterstützung angewiesen. Während die Betreuung vor der Geburt oft noch funktioniert, entstehen danach große Lücken. Gerade in der Stillzeit ist das Übertragungsrisiko erhöht, doch genau dort fehlt häufig die notwendige Begleitung. Psychische Belastungen, Armut und instabile Lebensumstände erschweren zusätzlich die regelmäßige Einnahme der Medikamente.
Frühere Programme wie Selbsthilfegruppen oder „Mentor-Mütter“, die Frauen stabilisierten und im Gesundheitssystem hielten, sind vielerorts weggefallen. Gleichzeitig sind Kliniken überlastet, und wichtige Daten oder Patientinnenakten gehen verloren. Dadurch werden besonders gefährdete Frauen oft zu spät erkannt.
Dabei gilt weiterhin: Mit einer konsequenten Therapie, regelmäßigen Kontrollen und medizinischer Beratung können HIV-positive Frauen gesunde Kinder bekommen. Auch Stillen ist unter diesen Bedingungen möglich und in Südafrika oft die bessere Option.
Fazit: Die medizinischen Möglichkeiten sind vorhanden, doch ohne funktionierende Versorgungssysteme laufen sie ins Leere. Die Kürzungen der US-Hilfen gefährden damit ausgerechnet jene Fortschritte, die in den vergangenen Jahren im Kampf gegen HIV erreicht wurden.
Quellen: Besondere Situationen meistern: https://livlife.com/de-de/die-hiv-broschure/besondere-situationen-meistern/?cc=google_cpc_2023-12_de_de_other_na_hivunbranded_plhiv_SEA2024__na__&gad_source=1&gad_campaignid=23370024472&gclid=EAIaIQobChMIjISWlvy1kwMVLVFBAh2UagRnEAAYAiAAEgJkv_D_BwE Wegfall der US-Hilfen in Südafrika: Mütter mit HIV zahlen den Preis | magazin.hiv: https://magazin.hiv/magazin/wegfall-der-us-hilfen-in-suedafrika-muetter-mit-hiv-zahlen-den-preis/
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Neue Empfehlungen zum Screening auf Analkrebs haben in der Fachwelt eine lebhafte Diskussion ausgelöst. Im Mittelpunkt steht eine Leitlinie der International Anal Neoplasia Society aus dem Jahr 2025, die eine regelmäßige Früherkennung für bestimmte Bevölkerungsgruppen vorsieht. Gleichzeitig äußert der US-Infektiologe Paul Sax deutliche Zweifel daran, ob diese weitreichenden Empfehlungen tatsächlich sinnvoll sind.
Die Leitlinie empfiehlt, Menschen mit erhöhtem Risiko regelmäßig zu untersuchen. Dazu zählen insbesondere Männer, die Sex mit Männern haben, sowie trans Frauen ab dem 35. Lebensjahr. Für alle anderen Erwachsenen wird ein Screening ab 45 Jahren vorgeschlagen. Die Untersuchungen sollen alle ein bis zwei Jahre stattfinden. Zunächst wird ein Zellabstrich aus dem Analkanal durchgeführt, ähnlich dem bekannten PAP-Test zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs. Wenn dabei Auffälligkeiten festgestellt werden, folgt eine genauere Untersuchung, die sogenannte hochauflösende Anoskopie, bei der der Analkanal mit speziellen Instrumenten genauer betrachtet wird.
Grundlage dieser Empfehlungen ist vor allem die ANCHOR-Studie. Diese Untersuchung konnte zeigen, dass die Behandlung bestimmter Krebsvorstufen – sogenannter hochgradiger Zellveränderungen (HSIL) – bei Menschen mit HIV das Risiko, später an Analkrebs zu erkranken, deutlich senkt. Konkret wurde eine Risikoreduktion von etwa 57 Prozent beobachtet. Dieses Ergebnis wird von vielen als wichtiger Fortschritt gewertet.
Dennoch mahnt Paul Sax zur Vorsicht bei der Interpretation. Seiner Ansicht nach geht die Leitlinie über das hinaus, was die Studienlage tatsächlich hergibt. Zwar zeige die ANCHOR-Studie, dass die Behandlung von Krebsvorstufen sinnvoll ist, sie liefere jedoch keine klare Antwort darauf, ob ein flächendeckendes Screening überhaupt notwendig oder wirksam ist. Insbesondere sei nicht belegt, dass regelmäßige Untersuchungen die tatsächliche Häufigkeit von Analkrebs insgesamt senken.
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die eingesetzten Methoden. Der anal durchgeführte PAP-Abstrich gilt als vergleichsweise unzuverlässig, wenn es darum geht, die relevanten Vorstufen sicher zu erkennen. Gleichzeitig ist die hochauflösende Anoskopie, die bei auffälligen Befunden notwendig wird, nicht überall verfügbar. Dies könnte dazu führen, dass das Gesundheitssystem überlastet wird und Patientinnen und Patienten lange auf weiterführende Untersuchungen warten müssen.
Auch die Belastung für die Betroffenen spielt in der Kritik eine Rolle. Wiederholte Untersuchungen, unklare Befunde und mögliche Folgeeingriffe können Stress verursachen – insbesondere dann, wenn der tatsächliche Nutzen des Screenings nicht eindeutig belegt ist. Hinzu kommt, dass auch die empfohlenen Untersuchungsintervalle wissenschaftlich nicht gut abgesichert sind.
Vor diesem Hintergrund plädiert Paul Sax für einen individuelleren Ansatz im klinischen Alltag. Statt eines routinemäßigen Screenings für alle Betroffenen sollte zunächst eine ausführliche Aufklärung erfolgen. Dabei sollten Patientinnen und Patienten erfahren, dass Analkrebs bei Menschen mit HIV zwar häufiger vorkommt, aber unklar ist, ob ein Screening das Risiko tatsächlich stärker senkt als keine regelmäßigen Untersuchungen.
Auf dieser Basis sollte gemeinsam entschieden werden, ob eine Früherkennung gewünscht ist. Ein solches Gespräch empfiehlt Sax insbesondere ab einem Alter von etwa 50 Jahren, bei zusätzlichen Risikofaktoren wie Rauchen oder einem geschwächten Immunsystem auch früher. Wenn sich Patientinnen oder Patienten für eine Untersuchung entscheiden, hält er es für sinnvoll, möglichst direkt eine genauere Methode wie die hochauflösende Anoskopie einzusetzen, anstatt sich zunächst auf den weniger zuverlässigen Abstrich zu verlassen. Alternativ kann auch ein Test auf humane Papillomviren (HPV) durchgeführt werden. Wiederholungsuntersuchungen sollten dabei eher in größeren Abständen von drei bis fünf Jahren erfolgen und sich am individuellen Risiko orientieren.
Insgesamt zeigt die Diskussion, dass es beim Analkrebs-Screening noch viele offene Fragen gibt. Während die Behandlung von Krebsvorstufen nachweislich wirksam ist, bleibt unklar, wie ein sinnvolles und ausgewogenes Früherkennungsprogramm aussehen sollte. Viele Fachleute sprechen sich daher dafür aus, stärker auf Aufklärung und gemeinsame Entscheidungsfindung zu setzen, anstatt auf starre Screening-Vorgaben.
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HIV ist eine der größten und gefährlichsten Viruserkrankungen der Vergangenheit, wie auch der Gegenwart. Häufig wird sie fälschlicherweise vor allem mit dem männlichen Geschlecht oder mit Homosexualität in Verbindung gebracht – eine überholte und unzutreffende Sichtweise. Zwar sind Männer statistisch häufiger betroffen, doch erstreckt sich die Erkrankung grundsätzlich über alle Geschlechter und sexuellen Orientierungen. Dennoch sind Diagnostik, Forschung und Therapieansätze häufig noch stark auf Männer ausgerichtet. Dieses Ungleichgewicht wird als „Gender Gap“ bezeichnet und beschreibt geschlechtsspezifische Unterschiede in Bezug auf Gesundheit, Versorgung und gesellschaftliche Rahmenbedingungen.
Obwohl HIV alle Geschlechter betrifft, zeigen sich deutliche Unterschiede hinsichtlich Infektionsrisiken, Diagnosestellung, Behandlung und gesellschaftlicher Wahrnehmung. Epidemiologische Daten verdeutlichen, dass Frauen weltweit etwa die Hälfte aller HIV-Infizierten ausmachen, während ihr Anteil in Europa mit rund 30 % und in Deutschland mit etwa 20 % geringer ist. Diese Zahlen machen deutlich, dass die Verbreitung von HIV stark von sozialen, kulturellen und ökonomischen Faktoren beeinflusst wird. In einigen Regionen, insbesondere in Afrika, sind Frauen sogar überproportional betroffen.
Ein zentrales Merkmal dieses Gender Gaps ist die häufig späte Diagnose bei Frauen. In Europa wird etwa die Hälfte der HIV-Infektionen bei ihnen erst in einem fortgeschrittenen Stadium erkannt. Besonders betroffen sind Frauen im jungen bis mittleren Alter. Ursachen hierfür sind unter anderem unzureichende Testangebote, mangelnde Aufklärung, sowie gesellschaftliche Tabus im Zusammenhang mit weiblicher Sexualität. Dies führt dazu, dass Frauen oftmals später mit einer Therapie beginnen, was sowohl ihre eigene Gesundheit als auch das Risiko einer Weiterübertragung negativ beeinflusst.
Neben strukturellen Defiziten spielen auch soziale Ungleichheiten eine entscheidende Rolle. Frauen sind weltweit häufiger von Armut betroffen und haben oftmals eingeschränkten Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung. Darüber hinaus erhöht geschlechtsspezifische Gewalt das Risiko einer HIV-Infektion erheblich. Diese Zusammenhänge verdeutlichen, dass HIV nicht ausschließlich ein medizinisches, sondern auch ein gesellschaftliches Problem darstellt.
Auch in der medizinischen Forschung zeigt sich ein deutlicher Gender Gap. Frauen sind in vielen Studien unterrepräsentiert, wodurch geschlechtsspezifische Unterschiede im Krankheitsverlauf und in der Therapie weniger umfassend erforscht sind. Dabei gibt es Hinweise auf biologische Unterschiede: Frauen zeigen zu Beginn häufig eine stärkere Immunreaktion, während die Erkrankung im weiteren Verlauf schneller fortschreiten kann. Der Mangel an entsprechenden Daten erschwert eine optimale, geschlechtsspezifische Behandlung. Zudem prägt die gesellschaftliche Wahrnehmung die Auseinandersetzung mit HIV maßgeblich. Wie bereits zu Beginn erwähnt, wird die Erkrankung oft mit Männern und Homosexualität assoziiert. Dies hat dazu geführt, dass Frauen sowie andere Geschlechtergruppen in Prävention und Aufklärung teilweise vernachlässigt wurden.
Der Gender Gap betrifft jedoch nicht nur Frauen. Auch beispielsweise trans* und nicht-binäre Personen sind häufig besonderen Risiken ausgesetzt und haben gleichzeitig erschwerten Zugang zu medizinischer Versorgung. Dies unterstreicht die Notwendigkeit geschlechtsunspezifischer Ansätze in Prävention, Diagnostik und Therapie.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass HIV zwar alle Geschlechter betrifft, jedoch nicht in gleicher Weise. Unterschiede in biologischen Voraussetzungen, sozialen Lebensbedingungen und medizinischer Versorgung führen zu einem deutlichen Gender Gap. Um diesem entgegenzuwirken, sind gezielte Maßnahmen erforderlich: eine verbesserte Aufklärung, niedrigschwellige Testangebote, eine stärkere Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Aspekte in der Forschung, sowie der Abbau von Stigmatisierung. Nur durch einen ganzheitlichen Ansatz kann HIV wirksam und gerecht für alle Geschlechter bekämpft werden.
Quellen: https://magazin.hiv/magazin/hiv-sti-tests-fur-frauen-flinta/ https://daignet.de/die-daig/sektionen/aaws-all-around-women-special/ https://www.who.int/europe/de/news/item/28-11-2019-half-of-all-women-with-hiv-are-diagnosed-late-in-europe https://www.shop-apotheke.com/magazin/hiv/frauen-und-hiv/ https://www.hivandmore.de/archiv/2006-2/HIVandMORE_2006_02_S16_S17_S19.pdf