DAH2KA e.V.
Deutsche Arbeitsgemeinschaft HIV- und Hepatitis-kompetenter Apotheken e.V.
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Aktuelle Themen

Steigende HIV-Neuinfektionen: Ursachen, Herausforderungen und Handlungsbedarf

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Erstellt: 25. März 2026

Nach Jahren relativer Stabilität verzeichnet Deutschland einen Anstieg der HIV-Neuinfektionen. Diese Entwicklung bereitet Fachleuten zunehmend Sorge, da sie auf strukturelle Defizite und gesellschaftliche Veränderungen hinweist, die die bisherigen Fortschritte in der Eindämmung des Virus gefährden könnten.

 

Ein wesentlicher Grund für den Anstieg liegt im veränderten Risikobewusstsein. Die erheblichen Fortschritte in der medizinischen Behandlung haben dazu geführt, dass HIV heute vielfach nicht mehr als unmittelbar lebensbedrohliche Erkrankung wahrgenommen wird. Moderne Therapien ermöglichen Betroffenen ein weitgehend normales Leben – eine Errungenschaft der Medizin, die jedoch unbeabsichtigt zu einer geringeren Vorsicht im Umgang mit potenziellen Infektionsrisiken führen kann.

 

Parallel dazu bestehen weiterhin deutliche Defizite in der Prävention. Der Zugang zu Testangeboten, individueller Beratung und wirksamen Schutzmaßnahmen ist nicht für alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen gewährleistet. Insbesondere die Nutzung der Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP) bleibt hinter den Möglichkeiten zurück. Zudem werden viele Infektionen erst spät diagnostiziert. Diese unentdeckten Fälle tragen dazu bei, dass das Virus unwissentlich weitergegeben wird und Infektionsketten bestehen bleiben.

 

Auch gesellschaftliche Veränderungen beeinflussen die Entwicklung. Migration aus Regionen mit höherer HIV-Prävalenz, sowie eine insgesamt veränderte Bevölkerungsstruktur stellen neue Anforderungen an Präventions- und Aufklärungsstrategien. Gleichzeitig erreichen bestehende Informationsangebote nicht immer alle relevanten Zielgruppen in ausreichendem Maße.

 

Hinzu kommt, dass HIV in der öffentlichen Wahrnehmung an Sichtbarkeit verloren hat. Während frühere Jahrzehnte von intensiven Aufklärungskampagnen geprägt waren, ist das Thema heute weniger präsent. Diese abnehmende Aufmerksamkeit wirkt sich unmittelbar auf das Präventionsverhalten aus und erschwert es, ein dauerhaft hohes Problembewusstsein in der Bevölkerung zu verankern.

 

Expertinnen und Experten sehen daher dringenden Handlungsbedarf. Um den Anstieg der Neuinfektionen zu stoppen, fordern sie eine Intensivierung der Aufklärung, den Ausbau niedrigschwelliger und anonymer Testangebote sowie einen verbesserten Zugang zu Präventions- und Behandlungsmöglichkeiten. Nur durch ein koordiniertes Zusammenspiel dieser Maßnahmen kann es gelingen, die Ausbreitung von HIV langfristig wieder einzudämmen.

 

Quellen: Warum auch in Deutschland die HIV-Infektionszahlen steigen | tagesschau.de https://www.apotheken-umschau.de/news/gestiegene-hiv-infektionen-experte-erklaert-woran-das-liegt-1441285.html

Neue Wirkstoffkombinationen in der Pipeline

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Erstellt: 25. März 2026

Auf der „Conference on Retroviruses and Opportunistic Infections“ (CROI 2026, Denver) im Februar wurde ein neues Kombinationspräparat zur HIV-Therapie vorgestellt, welches durch eine nur einmal tägliche Einnahme als einfachere Alternative für Menschen mit HIV dienen soll, die durch bspw. Unverträglichkeiten oder Virusresistenzen auf komplexe Therapieschemata angewiesen sind.

 

Professorin Chloe Orkin erklärte auf der Konferenz, dass auch wenn die meisten mit HIV lebenden Menschen bereits nur eine Tablette täglich einnehmen müssen, dennoch weiterhin viele Menschen komplexen Therapieschemata folgen, um unter der Nachweisgrenze zu bleiben. Dabei handelt es sich oft um ältere Personen, die schon lange diagnostiziert sind und durch eine hohe Tablettenlast, oft auch durch Begleiterkrankungen bedingt, Schwierigkeiten haben ihre Therapie gemäß des Schemas dauerhaft durchzuführen. Gerade in solchen Fällen könnte der neue Ansatz weiterhelfen.

 

Es handelt sich um eine Kombination aus Bictegravir (BIC), bekannt als Bestandteil von Dovato, und Lenacapavir (LEN). Lenacapavir wird bereits als Bestandteil von Kombinationstherapien von multiresistenten HI-Viren als Sunlenca als zweimal jährliche Spritze eingesetzt und als Präexpositionsprophylaxe unter dem Namen Yeztugo/Yeytuo. Die Firma Gilead Sciences beschäftigt sich aktuell mit einer Kombination dieser beiden Wirkstoffe in einer Tablette.

 

Professorin Orkin stellte auf der Konferenz eine Studie zu BIC/LEN vor. Bei dieser wurde die Kombination auf Wirksamkeit und Sicherheit in verschiedenen Patientengruppen getestet, wobei ein Teil die neue Ein-Tabletten-Therapie erhielt und der andere Teil dem komplexen Mehrtabletten-Schema folgte. Dabei konnte festgestellt werden, dass BIC/LEN den ursprünglichen Therapien nicht unterlegen ist. 96% der Teilnehmenden lagen nach 48 Wochen unter der nachweisbaren Viruslast. Zudem kann die Therapie als gut verträglich eingestuft werden, da das Auftreten von Nebenwirkungen ähnlich häufig war, wie bei Mehrtabletten-Therapien, wobei typischerweise etwas mehr Nebenwirkungen beim Medikamentenwechsel auf BIC/LEN am Anfang des Tests auftraten. Zu beachten ist jedoch, dass wenn der Wirkstoff Tenofovir abgesetzt wird, es zu einer Reaktivierung von Hepatitis B kommen kann. Nicht immunen Patienten wird somit von den Forschenden die Hepatitis B-Impfung stark empfohlen. Positiv hingegen hat sich BIC/LEN auf die Blutfett-Werte ausgewirkt. Die BIC/LEN Gruppe hatte sinkende Werte, während diese bei den komplexen Therapien leicht anstiegen. Die umgestellten Patienten gaben außerdem an zufriedener mit der neuen Therapie zu sein.

 

In einer zweiten Studie wurde überprüft, ob sich BIC/LEN als Wechseloption zu Biktarvy eignet. In dieser Studie wurden Patienten, die mit Biktarvy bereits unter der nachzuweisenden Viruslast sind, zufällig entweder auf BIC/LEN umgestellt oder blieben bei der Therapie mit Biktarvy. Nach 48 Wochen war bei beiden Gruppen die Viruslast bei über 90% der Teilnehmenden unter der Nachweisgrenze. Auch das Auftreten von Nebenwirkungen und die Verträglichkeit waren in beiden Gruppen in etwa gleich.

 

Gilead Sciences möchte nun diese Studien bei den Behörden vorlegen, um prüfen zu lassen, ob eine Zulassung von BIC/LEN möglich wäre. Mit einer Zulassung könnte ein weiteres Ein-Tabletten-Schema zur HIV-Therapie zur Verfügung stehen, welches gerade Patienten mit komplexen Therapiesystemen die Therapietreue erleichterten könnte.

 

 Quelle: https://www.aidsmap.com/news/feb-2026/bictegravirlenacapavir-combination-pill-could-be-option-people-taking-complex

Neue Wirkstoffkombinationen ab 2027: Weniger Routine, mehr Freiheit

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Erstellt: 25. März 2026

Die moderne antiretrovirale Therapie (ART) hat das Leben mit HIV grundlegend verändert. Das Ziel bleibt dabei stets dasselbe: Die Viruslast dauerhaft unter die Nachweisgrenze zu senken. Traditionell geschieht dies durch eine Kombination verschiedener Wirkstoffklassen, die das Virus an unterschiedlichen Punkten seiner Vermehrung stoppen.

Von der Dreifach- zur Zweifachtherapie

Dank hochwirksamer Substanzen reicht heute bei vielen Betroffenen bereits eine Kombination aus nur zwei Wirkstoffen aus. Diese „Dual-Therapie“ reduziert die tägliche Medikamentenmenge und kann die langfristige Belastung für den Körper sowie das Nebenwirkungsrisiko senken – bei gewohnt hoher Sicherheit. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass keine Resistenzen gegen die eingesetzten Wirkstoffe vorliegen. Zwei Zweifachtherapien sind derzeit schon auf dem Markt. Weitere Wirkstoffkombinationen sind aber momentan in der Pipeline. Während wir Ihnen in einem separaten Artikel die Kombination aus Bictegravir und Lenacapavir vorstellen, widmen wir uns hier zwei weiteren spannenden Entwicklungen: Die Kombinationen Doravirin + Islatravir und Lenacapavir + Islatravir.

Islatravir: Neuer Wirkstoff mit langer Wirksamkeit

Bei Islatravir handelt es sich um einen neuartigen Wirkstoff aus der Gruppe der nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Translokations-Inhibitoren (NRTTI). In frühen Studienphasen gab es Hinweise auf eine Senkung der weißen Blutkörperchen bei sehr hohen Dosierungen. Die Forschung wurde daraufhin angepasst: In den aktuellen Studien wird eine deutlich geringere Dosis verwendet, die das Immunsystem schont, aber die Viruslast weiterhin zuverlässig unterdrückt. Der Vorteil ist, dass Islatravir extrem lange im Körper aktiv bleibt. Das ermöglicht nicht nur niedrige Dosierungen, sondern eröffnet die Chance auf eine einmal wöchentliche Einnahme. Das könnte den Alltag und die Therapietreue (Adhärenz) für viele Patient:innen deutlich erleichtern. Die Kombination mit dem bewährten Wirkstoff Doravirin befindet sich bereits in einem fortgeschrittenen Stadium des Zulassungsprozesses. Doravirin müsste jedoch täglich eingenommen werden.

Die wöchentliche Tablette: Lenacapavir + Islatravir

Die wohl zukunftsweisendste Entwicklung ist die Kombination von Islatravir mit dem Kapsidinhibitor Lenacapavir. Hierbei könnte die erste wöchentliche Therapie in Tablettenform entstehen. Statt jeden Tag an die Einnahme denken zu müssen, wäre dies nur noch 52-mal im Jahr nötig. Für Menschen, die eine lebenslange Therapie benötigen, bedeutet dies ein großes Stück gewonnene Spontanität und weniger „Krankheits-Präsenz“ im Alltag. In Phase-2-Studien konnten fast 100 % der Teilnehmenden ihre Viruslast stabil unter der Nachweisgrenze halten. Die Verträglichkeit war dabei vergleichbar mit der täglichen Tabletteneinnahme. Diese Option ist besonders interessant für alle, die keine Spritzen (wie bei Vocabria/Rekambys) möchten, aber dennoch die tägliche Routine hinter sich lassen wollen.

Wie geht es weiter?

Aktuell wird die Kombination in großen Phase-3-Studien weltweit (unter anderem am Universitätsspital Zürich) klinisch geprüft. Bis zur endgültigen Marktreife und Zulassung wird es allerdings noch etwas Geduld brauchen: Es wird mit einer Verfügbarkeit ab dem Jahr 2027 oder später gerechnet.

Quellen: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/neue-orale-kombination-zu-hiv-therapie-163105/  Orale HIV-Therapie einmal wöchentlich für bessere Adhärenz  Ausgabe 3/2021: Long Acting 2.0 – Islatravir und Lenacapavir  Langwirksame orale Kombination aus Lenacapavir und Islatravir | MMW - Fortschritte der Medizin | Springer Nature Link  HIV-m3_21_FoBi_CHoffmann.pdf

 

 


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