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Menschen mit HIV brauchen eine gute medizinische Betreuung. Doch neue Sparpläne der Bundesregierung könnten die Versorgung in Zukunft erschweren. Davor warnen HIV-Fachleute und Patientenorganisationen.
Warum gibt es Kritik?
Die gesetzliche Krankenversicherung muss in den kommenden Jahren mit weniger Geld auskommen. Deshalb plant die Bundesregierung verschiedene Sparmaßnahmen. Nach Ansicht von Fachverbänden könnten dadurch auch HIV-Schwerpunktpraxen betroffen sein.
Das Problem: Die Zahl der Menschen mit HIV steigt. Gleichzeitig werden viele Patient*innen älter und benötigen wegen zusätzlicher Erkrankungen im Alter oft mehr medizinische Unterstützung. Die Behandlung wird dadurch aufwendiger.
Trotz dieses wachsenden Bedarfs sollen die finanziellen Mittel für die Versorgung begrenzt werden. Fachleute befürchten deshalb, dass Ärztinnen und Ärzte künftig weniger Zeit für ihre Patient*innen haben könnten.
Sorge um die Behandlungsqualität
Organisationen aus der HIV-Versorgung warnen davor, dass die Qualität der Betreuung leiden könnte. Schon heute gibt es in einigen Regionen zu wenige HIV-Spezialist*innen. Viele erfahrene Ärztinnen und Ärzte gehen in den nächsten Jahren in den Ruhestand, während nicht genügend Nachwuchs nachkommt.
Auch die Versorgung mit der HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) könnte schwieriger werden. Die PrEP schützt Menschen mit erhöhtem HIV-Risiko vor einer Ansteckung und ist ein wichtiger Bestandteil der HIV-Prävention.
Was bedeutet das für Menschen mit HIV?
Noch hat sich für Patient*innen nichts geändert. Die geplanten Maßnahmen müssen erst das weitere Gesetzgebungsverfahren durchlaufen.
HIV-Organisationen fordern jedoch, dass bei der Versorgung von Menschen mit HIV nicht gespart wird. Sie betonen, dass eine gute medizinische Betreuung und wirksame Prävention entscheidend sind, um die Gesundheit der Betroffenen zu sichern und neue HIV-Infektionen zu verhindern.
Weitere geplante Änderungen
Neben den Auswirkungen auf die HIV-Versorgung sind weitere Änderungen vorgesehen:
• Die Zuzahlung für Medikamente soll steigen.
• Die Zuschüsse für Zahnersatz sollen sinken.
• Menschen mit höheren Einkommen sollen mehr Beiträge zur Krankenversicherung zahlen.
• Zusätzliche Einnahmen sollen unter anderem durch höhere Tabaksteuern und eine Abgabe auf zuckerhaltige Produkte erzielt werden.
Patientenorganisationen kritisieren vor allem, dass die geplanten Einsparungen Menschen mit chronischen Erkrankungen besonders belasten könnten. Denn die geplante Erhöhung der Zuzahlung für Medikamente trifft genau diese Menschen und können eine finanzielle Belastung darstellen.
Quelle: https://www.aidshilfe.de/de/aktuelles/der-hiv-versorgung-darf-nicht-gespart-werden
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Für Menschen, die wechselnde Sexualpartner haben, ist die regelmäßige Kontrolle und Behandlung sexuell übertragbarer Infektionen ein wichtiger Bestandteil der medizinischen Versorgung. Der aktuelle Lieferengpass von Tardocillin ist daher besonders relevant für Patientinnen und Patienten, die im Rahmen ihrer Behandlung oder Vorsorge auf eine zuverlässige Syphilis-Therapie angewiesen sind.
Hintergrund des Lieferengpasses
Tardocillin wird unter anderem zur Behandlung der Syphilis eingesetzt. Derzeit kommt es jedoch zu Lieferproblemen aufgrund von Produktionsausfällen bei Herstellern von Benzathin-Benzylpenicillin. Um die Versorgung dennoch sicherzustellen, wurde die vorübergehende Einfuhr des portugiesischen Präparats Lentocilin S 1200 ermöglicht. Diese Regelung erfolgt im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben zur Überbrückung von Arzneimittelengpässen und ist aktuell bis mindestens 31. März 2027 vorgesehen.
Gleicher Wirkstoff – gleich wirksam
Lentocilin enthält denselben Wirkstoff wie Tardocillin (Benzathin-Benzylpenicillin). Das bedeutet: Die therapeutische Wirkung ist vergleichbar, und die Behandlung der Syphilis kann unverändert fortgeführt werden. Für Patientinnen und Patienten ändert sich damit in der Praxis vor allem das Präparat – nicht aber das Therapieziel oder die Wirksamkeit.
Unterschied im Zusatzstoff Lidocain
Ein Unterschied zwischen beiden Präparaten betrifft den Zusatzstoff Lidocain. Dieses Lokalanästhetikum wird der Injektionslösung beigemischt, um die oft als schmerzhaft empfundene Spritze in den Muskel besser verträglich zu machen. Während Tardocillin 35 mg Lidocain enthält, sind es bei Lentocilin 60 mg. Dieser Unterschied hat in der Regel keine Auswirkungen auf die Behandlung.
Anwendung durch medizinisches Fachpersonal
Wie bei allen Depot-Penicillin-Präparaten wird das Medikament tief in den Muskel gespritzt und ausschließlich von medizinischem Fachpersonal verabreicht. Dadurch wird sichergestellt, dass die Anwendung korrekt erfolgt und Risiken, insbesondere eine versehentliche Injektion in ein Blutgefäß, vermieden werden.
Versorgung bleibt gesichert
Für Patientinnen und Patienten bleibt die wichtigste Botschaft: Die Behandlung der Syphilis ist auch während des Lieferengpasses ohne Unterbrechung möglich. Sowohl die Umstellung auf Lentocilin als auch die Abgabe noch verfügbarer Tardocillin-Bestände können weiterhin erfolgen und sind erstattungsfähig. Die Therapie kann damit sicher und ohne Verzögerung fortgeführt werden.
Quelle:[1] www.fachinfo.de [Internet]. Fachinformation: Tardocillin® 1200 InfectoPharm [updated 2020 May; cited 2026 June 12]. Available from: https://www.fachinfo.de/fi/pdf/003596/tardocillin-1200
[2] deutsche-apotheker-zeitung.de [Internet]. Tardocillin außer Vertrieb: InfectoPharm hilft mit Ware aus Portugal [updated 2026 May 29; cited 2026 June 12]. Available from: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2026/05/29/tardocillin-ausser-vertrieb-infectopharm-hilft-mit-ware-aus-portugal [3] abda.de [Internet]. 07/26 Information der Hersteller: Informationsschreiben zu Lentocilin (Benzypenicillin-Benzathin) S 1200 Atral: befristetes Inverkehrbringen von Packungen in portugiesischer Aufmachung [updated 2026 February 4; cited 2026 June 15]. Available from: https://www.abda.de/fuer-apotheker/arzneimittelkommission/amk-nachrichten/detail/07-26-information-der-hersteller-informationsschreiben-zu-lentocillin-benzylpenicillin-benzathin-s-1200-atral-befristetes-inverkehrbringen-von-packungen-in-portugiesischer-aufmachung/ [4] infectopharm.de [Internet]. Fachinformation: Lentocilin S 1200, 1 200 000 UI/4ml & Lentocilin S 2400, 2 400 000 UI/6,5ml [updated 2024 July 30; cited 2026 June 12]. Available from: https://www.infectopharm.de/praeparate/lentocilin/ [5] patienteninfo-service.de [Internet]. Tardocillin® 1200 Injektionssuspension 1,2 Mio. Einheiten – Gebrauchsinformation: Information für den Anwender [updated 2020 May; cited 2026 June 12]. Available from: https://www.patienteninfo-service.de/a-z-liste/t/tardocillinR-1200-injektionssuspension-12-mio-einheiten
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1994 wurde UNAIDS, das Programm der Vereinten Nationen zur weltweiten Bekämpfung von HIV und AIDS, ins Leben gerufen. Im gleichen Jahr entwickelte auch die EU erste Strategien zur Bekämpfung der Epidemie.
Laut UNAIDS lebten 2025 weltweit 40,9 Millionen Menschen mit HIV. Davon hatten 2025 bereits 78,5 % (32,1 Millionen) Zugang zu einer antiretroviralen Therapie. In den vergangenen fünfzehn Jahren ist die Zahl der AIDS-bedingten Todesfälle um 56 % auf 570.000 gesunken. Im gleichen Zeitraum sank auch die Zahl der Neuinfektionen um 43 % auf 1,2 Millionen. Diese Zahlen verdeutlichen die Wirksamkeit der bisherigen globalen Strategien zur Bekämpfung von HIV.
Allerdings sind diese Erfolge von aktuellen politischen Entwicklungen bedroht. Laut UNAIDS gingen die internationalen Entwicklungshilfen um 23 % zurück. Besondern schwer wiegt der Rückzug der US-amerikanischen Finanzierung seit Anfang 2025, da die USA bis dahin drei Viertel der internationalen HIV-Gelder bezahlte. Von diesen Kürzungen sind besonders einkommensschwache Länder betroffen. So wurden zum Beispiel in Haiti, Tansania und Sambia über 50 % der HIV-Medikamente von den USA bezahlt.
Die Folgen des Einfrierens der Mittel werden im PEPFAR (President’s Emergency Plan for AIDS Relief) Impact Tracker dokumentiert. Dort wurden Schätzungen veröffentlicht, wie viele Todesfälle Folge besagter Kürzungen sind. Für den Zeitraum vom 24.01.2025 bis zum 24.01.2026 werden die Kürzungen mit schätzungsweise 159.272 Todesfällen bei Erwachsenen und 16.954 Todesfällen bei Kindern in Verbindung gebracht. Bezogen auf die oben genannten 570.000 AIDS-assoziierten Todesfälle sind das etwa 30%. Der PEPFAR Impact Tracker weist jedoch ausdrücklich darauf hin, dass die Methodik für kurzfristige Schätzungen entwickelt wurde und sich nicht für Langzeitprognosen eignet. Deswegen wurde im Januar 2026 der Zähler eingestellt.
Trotzdem zeigen diese Zahlen, was Winnie Byanyima, die Exekutivdirektorin von UNAIDS, so treffend in Worte fasst: „We know how to end AIDS. The question is now political: will we invest, or will we retreat?“ (deutsch: „Wir wissen, wie man AIDS besiegen kann. Die Frage ist nun politischer Natur: Werden wir investieren oder werden wir uns zurückziehen?“).
Vor diesem Hintergrund befasste sich auch die jüngste UNAIDS-Tagung am 22. und 23. Juni mit den notwendigen politischen Entscheidungen.
Trotz der aktuellen Herausforderungen hält UNAIDS am Ziel fest, bis 2030 40 Millionen Menschen mit antiretroviralen Medikamenten zu behandeln und 20 Millionen Menschen Zugang zur PrEP (Prä-Expositions-Prophylaxe) zu ermöglichen. Insgesamt sollen somit 60 Millionen Menschen Zugang zu wirksamer HIV-Prävention und –Therapie erhalten und das ohne Stigmatisierung und Diskriminierung. Und als übergeordnetes Ziel: bis 2030 AIDS als Bedrohung der öffentlichen Gesundheit zu beenden und HIV als globale Gesundheitsbedrohung deutlich einzudämmen.
Dieses Ziel sei laut UNAIDS und der EU immer noch erreichbar. Vor allem gelte es Schlüsselpopulationen wie junge Mädchen und Frauen zu schützen. Auch sollten Koinfektionen mit Tuberkulose und Hepatitis stärker berücksichtigt werden, um so ganzheitliche Gesundheitsziele formulieren zu können. Diese beinhalten bessere Prävention, vereinfachter Zugang zu Testangeboten und finanzierbare, langwirksame Medikamente.
Aber vor allem wird die enge internationale Zusammenarbeit zwischen Regierungen in den Fokus gestellt. Ziel sei eine solidarische, innovative und effiziente internationale Zusammenarbeit. Dafür ist der Kampf für Menschenrechte unerlässlich. In 2025 haben Mali und Burkina Faso gleichgeschlechtliche Beziehungen kriminalisiert, und in 2026 Niger. Insgesamt gibt es weltweit aktuell 66 Länder mit Gesetzen gegen Homosexualität. Diese Diskriminierung erschwert den Zugang zu Präventions- und Behandlungsangeboten und erhöht gleichzeitig die Hemmschwelle, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dadurch kann die HIV-Epidemie sich weiter ausbreiten.
Wir befinden uns folglich an einem Wendepunkt. Werden die Globale AIDS-Strategien konsequent umgesetzt und die notwendigen finanziellen sowie politischen Zusagen eingehalten, kann AIDS bis 2030 besiegt werden. Bleiben diese Investitionen und politischen Maßnahmen jedoch aus, droht jahrzehntelang hart erkämpfen Fortschritt verloren zu gehen.
Quellen: UNAIDS schlägt Alarm: Fortschritte bei HIV stehen auf dem Spiel | Deutsche Aidshilfe 16.06.2026 https://www.aidshilfe.de/de/aktuelles/unaids-schlaegt-alarm-fortschritte-bei-hiv-stehen-auf-dem-spiel (Zugriff: 23.06.2026) Global HIV & AIDS statistics — Fact sheet | UNAIDS https://www.unaids.org/en/resources/fact-sheet (Zugriff: 23.06.2026) Global AIDS Strategy 2026-2031 | UNAIDS https://www.unaids.org/en/2026-2031-global-aids-strategy (Zugriff: 23.06.2026) A ‘perilous moment’ for the response to HIV warns UNAIDS | UNAIDS 12.06.2026 https://www.unaids.org/en/resources/presscentre/pressreleaseandstatementarchive/2026/june/20260612_PR_global_aids_brief (Zugriff: 23.06.2026) EU Statement – UN General Assembly: 2026 High-level meeting on HIV/AIDS | EEAS 22.6.2026 https://www.eeas.europa.eu/delegations/un-new-york/eu-statement-–-un-general-assembly-2026-high-level-meeting-hivaids_en (Zugriff: 23.06.2026) PEPFAR Impact Tracker https://pepfar.impactcounter.com/ (Zugriff: 23.06.2026) Globale HIV-Prävention beschädigt | magazin.hiv 5.03.2026 https://magazin.hiv/magazin/globale-hiv-praevention-beschaedigt/ (Zugriff: 23.06.2026) List of 66 countries where homosexuality is illegal https://76crimes.com/76-countries-where-homosexuality-is-illegal/ (Zugriff 26.06.2026)