Aktuelle Themen

Die Todesrate bei Kindern (0 bis 9 Jahren) und Jugendlichen (10 bis 19 Jahren) war Anfang des 21. Jahrhunderts noch schockierend hoch. Dabei verstarben bis 300.000 Kinder pro Jahr an den Folgen einer HIV-Infektion. Glücklicherweise konnte diese Zahlen seit 2010 um 60% gesenkt werden, dennoch sterben immer noch rund 100.000 Kinder weltweit jährlich an AIDS.

Die Erfolge bei der Eindämmung der Neuinfektionen und der Senkung der Todesraten sind wohl vor allem dem „Global Plan towards the elimination of new HIV infections among children by 2015 and keeping their mothers alive“ der UNAIDS zu verdanken. Durch diesen Plan gelang es allein in den Ländern in Subsahara-Afrika 1,2 Millionen Neuinfektionen von Kindern mit Hilfe einer antiretroviralen Therapie der Mütter zu vermeiden.

Kinder, die bei der Geburt durch das Raster gefallen sind und sich mit HIV infiziert haben, stellen nun eine große Herausforderung dar. Diese finden sich auch in der Gruppe der Jugendlichen und sollten eine schnellstmögliche Behandlung erfahren. Damit diese aber auch von ihrer Infektion erfahren, müssen die HIV-Testangebote für Familien und Haushalte sowie Selbsttests ausgebaut werden. Ein weiteres wichtiges Ziel ist es HIV-Screenings speziell für Kinder und Jugendliche in Gesundheits-Vorsorgeprogrammen aufzunehmen.

Quelle: https://www.pharma-fakten.de/grafiken/detail/1144-aids-bei-kindern-und-jugendlichen-licht-und-viel-schatten/

Wie eine unbehandelte HIV-Infektion verläuft, ist bekannt: einige Wochen nach der Ansteckung erfolgt die sog. Serokonversion mit vorübergehenden grippeähnlichen Symptomen. Danach folgt eine teilweise mehrjährige Latenzphase, in der das Immunsystem langsam an Kompetenz verliert, während sich das Virus im Körper festsetzt. Das Vollbild AIDS bildet sich aus und über opportunistische Infektionen kommt es schließlich zum Tod. Es gibt allerdings Personen, deren Immunsystem das Virus in Schach halten kann, sogenannte „Elite-Controller“. Bei diesen Personen bleibt die Viruslast ohne ART teils Jahre nach Serokonversion unter der Nachweisgrenze und es kommt nicht zum Verlust von CD4-Zellen. Bei den meisten Elite-Controllern kommt es im Laufe des Lebens dennoch zum Fortschreiten der Infektion, die dann eine ART notwendig macht.

Der weltweite Anteil an HIV-Elite-Controllern liegt, je nach Studie, bei 0,1-2%. WissenschaftlerInnen des Pharmaunternehmens Abbott, der Johns-Hopkins-Universität, der Universität von Missouri-Kansas City und der Université Protestante au Congo entdeckten jedoch Hinweise darauf, dass das Vorkommen dieser Elite-Controller in der Demokratischen Republik Kongo (DRC) ungewöhnlich hoch sein könnte. Hier liegt der Anteil möglicherweise bei 2,7% bis 4,3% der HIV-Infizierten Personen. Ursache dieser natürlichen Kontrolle über das Virus sind u.A. Variationen in den für das Immunsystem relevanten Genen (HLA-Gene), kompetentere T-Killerzellen und weniger CCR5-Korezeptoren für die Fusion der HI-Viren mit Zellen.

Mögliche Gründe für diesen ungewöhnlich hohen Anteil an möglichen Elite-Controllern sind nicht abschließend geklärt. Die Studienautoren vermuten zum einen, dass in Gegenden ohne oder mit erschwerten Behandlungsmöglichkeiten anfällige Individuen schneller sterben und dadurch der Anteil an Elite-Controllern entsprechend ansteigt. Zum anderen werden genetische Varianten in den HLA-Genen und den CCR5-Genen diskutiert, die sich in den Populationen in der DRC durchgesetzt haben könnten. Allerdings ist der Zeitraum von etwa 40 Jahren, seit die HIV-Pandemie ausbrach, aus evolutionärer Sicht ein sehr kurzer Zeitraum, um in menschlichen Populationen solche genetischen Varianten zu festigen. Im Gespräch ist auch ein komplett neuer HIV-Subtyp in der Region und die Tatsache, dass das HI-Virus schon weit vor seiner Entdeckung in der DRC aufgetaucht ist. Eine genetische Analyse der Viren zur Subtypbestimmung und Hinweise auf die Weitergabe von HIV durch Elite-Controller lieferte diese Studie nicht.

„Der globalen Forschungsgemeinschaft steht noch eine Menge Arbeit bevor. Wenn wir aber die Erkenntnisse aus dieser Studie nutzen und mit anderen Wissenschaftlern teilen, nähern wir uns neuen Behandlungsmethoden, die HIV möglicherweise eliminieren könnten“, so Dr. Michael Berg, Associate Research Fellow bei Abbott und Hauptautor der Studie wörtlich.

Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26423816/; www.thelancet.com/journals/ebiom/article/PIIS2352-3964(21)00051-7/fulltext

Hepatitis D ist eine durch das Hepatitis-D-Virus (HDV) ausgelöste Leberentzündung. Das Hepatitis-D-Virus, auch delta-Virus genannt, wird hauptsächlich durch Blut übertragen, aber auch eine sexuelle Übertragung ist möglich. Eine Infektion mit HDV kann allerdings nur in Kombination mit Hepatitis-B-Viren (HBV) erfolgen, da die inkompletten HDV die Hülle der HBV benötigen.

Weltweit sind ca. 15 bis 25 Millionen Menschen mit HDV infiziert. Besonders weit verbreitet ist das HDV in Afrika, Südamerika, Asien und Süd-/Osteuropa. In Deutschland sind ca. 30.000 Menschen betroffen.

Die Symptome bei einer HDV-Infektion sind zunächst unspezifisch. Ein allgemeines Krankheitsgefühl, Appetitlosigkeit und Druck im rechten Oberbauch. Mit der Zeit entwickelt sich Gelbsucht, dunkler Urin und heller Stuhl. Die Symptome ähneln denen einer Hepatitis-B-Infektion, der Verlauf ist bei einer Koinfektion mit HDV allerdings deutlich schwerwiegender. 70-90% der HDV-Fälle verlaufen schwer und chronisch. Zudem besteht ein erhöhtes Risiko für Leberzirrhosen und Leberkarzinome.    

Daher ist eine frühzeitige Diagnose und Therapie notwendig. Das HDV kann mittels Blutuntersuchung (PCR-Test) identifiziert werden.

Eine Impfung gegen HDV gibt es nicht, aber eine HBV-Impfung schützt vor einer Infektion mit HDV.

Am 31.07.2020 wurde das erste Medikament zur Behandlung für Hepatitis D zugelassen: Hepcludex. Der Wirkstoff Bulevirtid blockiert den Eintritt des Hepatitis B und D-Virus in die Leberzelle und muss täglich subkutan gespritzt werden. Die Einsatzmöglichkeiten für Hepatitis B werden derzeit noch geprüft.

Quelle: Stephan Urban Et Al., 2021: „Hepatitis D virus in 2021: virology, immunology and new treatment approaches for difficult-to-treat disease“, https://flexikon.doccheck.com/de/Hepatitis_D, www.gelbe-liste.de/krankheiten/hepatitis-d, www.deutsche-leberstiftung.de/presse/pressemappe/Lebererkrankungen/virushepatitis/hepatitis-d/; www.dzif.de/de/hepcludex-erstes-medikament-fuer-hepatitis-d-zugelassen