DAH2KA e.V.
Deutsche Arbeitsgemeinschaft HIV- und Hepatitis-kompetenter Apotheken e.V.
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Aktuelle Themen

Neue Wirkstoffkombinationen in der Pipeline

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Erstellt: 25. März 2026

Auf der „Conference on Retroviruses and Opportunistic Infections“ (CROI 2026, Denver) im Februar wurde ein neues Kombinationspräparat zur HIV-Therapie vorgestellt, welches durch eine nur einmal tägliche Einnahme als einfachere Alternative für Menschen mit HIV dienen soll, die durch bspw. Unverträglichkeiten oder Virusresistenzen auf komplexe Therapieschemata angewiesen sind.

 

Professorin Chloe Orkin erklärte auf der Konferenz, dass auch wenn die meisten mit HIV lebenden Menschen bereits nur eine Tablette täglich einnehmen müssen, dennoch weiterhin viele Menschen komplexen Therapieschemata folgen, um unter der Nachweisgrenze zu bleiben. Dabei handelt es sich oft um ältere Personen, die schon lange diagnostiziert sind und durch eine hohe Tablettenlast, oft auch durch Begleiterkrankungen bedingt, Schwierigkeiten haben ihre Therapie gemäß des Schemas dauerhaft durchzuführen. Gerade in solchen Fällen könnte der neue Ansatz weiterhelfen.

 

Es handelt sich um eine Kombination aus Bictegravir (BIC), bekannt als Bestandteil von Dovato, und Lenacapavir (LEN). Lenacapavir wird bereits als Bestandteil von Kombinationstherapien von multiresistenten HI-Viren als Sunlenca als zweimal jährliche Spritze eingesetzt und als Präexpositionsprophylaxe unter dem Namen Yeztugo/Yeytuo. Die Firma Gilead Sciences beschäftigt sich aktuell mit einer Kombination dieser beiden Wirkstoffe in einer Tablette.

 

Professorin Orkin stellte auf der Konferenz eine Studie zu BIC/LEN vor. Bei dieser wurde die Kombination auf Wirksamkeit und Sicherheit in verschiedenen Patientengruppen getestet, wobei ein Teil die neue Ein-Tabletten-Therapie erhielt und der andere Teil dem komplexen Mehrtabletten-Schema folgte. Dabei konnte festgestellt werden, dass BIC/LEN den ursprünglichen Therapien nicht unterlegen ist. 96% der Teilnehmenden lagen nach 48 Wochen unter der nachweisbaren Viruslast. Zudem kann die Therapie als gut verträglich eingestuft werden, da das Auftreten von Nebenwirkungen ähnlich häufig war, wie bei Mehrtabletten-Therapien, wobei typischerweise etwas mehr Nebenwirkungen beim Medikamentenwechsel auf BIC/LEN am Anfang des Tests auftraten. Zu beachten ist jedoch, dass wenn der Wirkstoff Tenofovir abgesetzt wird, es zu einer Reaktivierung von Hepatitis B kommen kann. Nicht immunen Patienten wird somit von den Forschenden die Hepatitis B-Impfung stark empfohlen. Positiv hingegen hat sich BIC/LEN auf die Blutfett-Werte ausgewirkt. Die BIC/LEN Gruppe hatte sinkende Werte, während diese bei den komplexen Therapien leicht anstiegen. Die umgestellten Patienten gaben außerdem an zufriedener mit der neuen Therapie zu sein.

 

In einer zweiten Studie wurde überprüft, ob sich BIC/LEN als Wechseloption zu Biktarvy eignet. In dieser Studie wurden Patienten, die mit Biktarvy bereits unter der nachzuweisenden Viruslast sind, zufällig entweder auf BIC/LEN umgestellt oder blieben bei der Therapie mit Biktarvy. Nach 48 Wochen war bei beiden Gruppen die Viruslast bei über 90% der Teilnehmenden unter der Nachweisgrenze. Auch das Auftreten von Nebenwirkungen und die Verträglichkeit waren in beiden Gruppen in etwa gleich.

 

Gilead Sciences möchte nun diese Studien bei den Behörden vorlegen, um prüfen zu lassen, ob eine Zulassung von BIC/LEN möglich wäre. Mit einer Zulassung könnte ein weiteres Ein-Tabletten-Schema zur HIV-Therapie zur Verfügung stehen, welches gerade Patienten mit komplexen Therapiesystemen die Therapietreue erleichterten könnte.

 

 Quelle: https://www.aidsmap.com/news/feb-2026/bictegravirlenacapavir-combination-pill-could-be-option-people-taking-complex

Neue Wirkstoffkombinationen ab 2027: Weniger Routine, mehr Freiheit

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Erstellt: 25. März 2026

Die moderne antiretrovirale Therapie (ART) hat das Leben mit HIV grundlegend verändert. Das Ziel bleibt dabei stets dasselbe: Die Viruslast dauerhaft unter die Nachweisgrenze zu senken. Traditionell geschieht dies durch eine Kombination verschiedener Wirkstoffklassen, die das Virus an unterschiedlichen Punkten seiner Vermehrung stoppen.

Von der Dreifach- zur Zweifachtherapie

Dank hochwirksamer Substanzen reicht heute bei vielen Betroffenen bereits eine Kombination aus nur zwei Wirkstoffen aus. Diese „Dual-Therapie“ reduziert die tägliche Medikamentenmenge und kann die langfristige Belastung für den Körper sowie das Nebenwirkungsrisiko senken – bei gewohnt hoher Sicherheit. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass keine Resistenzen gegen die eingesetzten Wirkstoffe vorliegen. Zwei Zweifachtherapien sind derzeit schon auf dem Markt. Weitere Wirkstoffkombinationen sind aber momentan in der Pipeline. Während wir Ihnen in einem separaten Artikel die Kombination aus Bictegravir und Lenacapavir vorstellen, widmen wir uns hier zwei weiteren spannenden Entwicklungen: Die Kombinationen Doravirin + Islatravir und Lenacapavir + Islatravir.

Islatravir: Neuer Wirkstoff mit langer Wirksamkeit

Bei Islatravir handelt es sich um einen neuartigen Wirkstoff aus der Gruppe der nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Translokations-Inhibitoren (NRTTI). In frühen Studienphasen gab es Hinweise auf eine Senkung der weißen Blutkörperchen bei sehr hohen Dosierungen. Die Forschung wurde daraufhin angepasst: In den aktuellen Studien wird eine deutlich geringere Dosis verwendet, die das Immunsystem schont, aber die Viruslast weiterhin zuverlässig unterdrückt. Der Vorteil ist, dass Islatravir extrem lange im Körper aktiv bleibt. Das ermöglicht nicht nur niedrige Dosierungen, sondern eröffnet die Chance auf eine einmal wöchentliche Einnahme. Das könnte den Alltag und die Therapietreue (Adhärenz) für viele Patient:innen deutlich erleichtern. Die Kombination mit dem bewährten Wirkstoff Doravirin befindet sich bereits in einem fortgeschrittenen Stadium des Zulassungsprozesses. Doravirin müsste jedoch täglich eingenommen werden.

Die wöchentliche Tablette: Lenacapavir + Islatravir

Die wohl zukunftsweisendste Entwicklung ist die Kombination von Islatravir mit dem Kapsidinhibitor Lenacapavir. Hierbei könnte die erste wöchentliche Therapie in Tablettenform entstehen. Statt jeden Tag an die Einnahme denken zu müssen, wäre dies nur noch 52-mal im Jahr nötig. Für Menschen, die eine lebenslange Therapie benötigen, bedeutet dies ein großes Stück gewonnene Spontanität und weniger „Krankheits-Präsenz“ im Alltag. In Phase-2-Studien konnten fast 100 % der Teilnehmenden ihre Viruslast stabil unter der Nachweisgrenze halten. Die Verträglichkeit war dabei vergleichbar mit der täglichen Tabletteneinnahme. Diese Option ist besonders interessant für alle, die keine Spritzen (wie bei Vocabria/Rekambys) möchten, aber dennoch die tägliche Routine hinter sich lassen wollen.

Wie geht es weiter?

Aktuell wird die Kombination in großen Phase-3-Studien weltweit (unter anderem am Universitätsspital Zürich) klinisch geprüft. Bis zur endgültigen Marktreife und Zulassung wird es allerdings noch etwas Geduld brauchen: Es wird mit einer Verfügbarkeit ab dem Jahr 2027 oder später gerechnet.

Quellen: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/neue-orale-kombination-zu-hiv-therapie-163105/  Orale HIV-Therapie einmal wöchentlich für bessere Adhärenz  Ausgabe 3/2021: Long Acting 2.0 – Islatravir und Lenacapavir  Langwirksame orale Kombination aus Lenacapavir und Islatravir | MMW - Fortschritte der Medizin | Springer Nature Link  HIV-m3_21_FoBi_CHoffmann.pdf

 

 


HIV-Immunität

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Erstellt: 14. Januar 2026

Immunität gegen eine der ursprünglich tödlichsten Viruserkrankungen, die derzeit auf unserer Erde existieren: ein Satz, der das Leben vieler Patientinnen und Patienten für immer verändern würde. Genau dies beschreibt die Tatsache der HIV-Immunität. Doch was bedeutet Immunität eigentlich und wie kommt sie zustande?

Lange Zeit galt eine Immunität gegen HIV als unerreichbar. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen jedoch, dass das Immunsystem in seltenen Fällen Wege findet, das Virus zu kontrollieren oder sogar vollständig auszuschalten. Diese besondere genetische Veranlagung findet sich bei etwa einem Prozent aller Europäerinnen und Europäer, sowie bei Menschen europäischer Abstammung weltweit. Bei ihnen liegt eine Mutation des sogenannten CCR5-Rezeptors vor.

Dieser Rezeptor ist Teil unseres Immunsystems und spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation und Bekämpfung von Entzündungen im Körper. Genau diesen Rezeptor nutzt das HI-Virus jedoch als „Eintrittspforte“, um die zentralen Zellen des Immunsystems zu infizieren und dadurch außer Kraft zu setzen. Ist der CCR5-Rezeptor aufgrund einer genetischen Mutation verändert, kann das Virus nicht in die Zellen eindringen – der sprichwörtliche „Türöffner“ fehlt. Menschen, die diese Mutation in sich tragen, können daher nicht mit dem HI-Virus infiziert werden und sind von Geburt an immun. Es handelt sich hierbei allerdings nicht um einen therapeutischen Ansatz, sondern um einen evolutionsbedingten Zufall.

Damit stellen sich zwei zentrale Fragen: Warum kommt diese genetische Mutation fast ausschließlich bei Europäern vor, und ließe sie sich möglicherweise künstlich herbeiführen?

Über lange Zeit existierten zahlreiche Theorien über den Ursprung dieser Mutation. Könnten etwa mittelalterliche Seuchen für die Veränderung im Erbgut verantwortlich gewesen sein? Um dieser Frage nachzugehen, trainierte eine dänische Forschungsgruppe eine künstliche Intelligenz mit genetischen Daten von mehreren tausend heute lebenden Menschen, sowie von mehreren hundert menschlichen Skeletten. Die Ergebnisse zeigten, dass diese Mutation erstmals vor etwa 7.000 bis 9.000 Jahren bei einer Person auftrat, die im Gebiet des schwarzen Meeres lebte. Als Ursache vermuten die Forschenden einen evolutionsbedingten Überlebensvorteil in einer Zeit, in der Menschen mit neuen Krankheitserregern konfrontiert waren. Der Erstautor der Studie, Leonardo Cobuccio, erklärte dazu:
„Menschen mit dieser Mutation überlebten besser, wahrscheinlich weil ihr Immunsystem in einer Zeit gedämpft wurde, in der die Menschen neuen Krankheitserregern ausgesetzt waren.“

Abschließend stellt sich die wohl wichtigste und zugleich spannendste Frage: Lassen sich aus diesen Erkenntnissen neue Therapieansätze gegen HIV ableiten?
Hoffnung gibt ein Fall aus jüngerer Vergangenheit in Berlin. Dort wurde ein HIV-Patient aufgrund einer zusätzlichen Krebserkrankung mit einer Stammzelltransplantation behandelt. In der Folge entwickelte er – wie bereits sechs HIV- und Krebspatienten vor ihm – eine funktionelle Immunität gegen das HI-Virus und konnte seine antiretrovirale Therapie absetzen. In den früheren Fällen lag der Grund darin, dass die Stammzellspender zufällig Träger der beschriebenen CCR5-Mutation waren. Im jüngsten Berliner Fall jedoch trug die Stammzellspenderin diese exakte Mutation nicht. Dennoch war die Viruslast des Patienten so gering, dass keine weitere Therapie notwendig war.

Genau hierin liegt die große Hoffnung: Mit hoher Wahrscheinlichkeit war das transplantierte Immunsystem in der Lage, sämtliche verbliebenen HI-Viren im Körper des Patienten zu eliminieren. Dies deutet darauf hin, dass spezielle Stammzell- und Immuntherapien ein großes Potenzial für die zukünftige HIV-Behandlung besitzen könnten. Da diese Therapieformen jedoch mit erheblichen Risiken verbunden sind – etwa der Übertragung anderer Erkrankungen vom Spender auf den Empfänger –, ist der Weg zu einer breiten Anwendung vermutlich noch lang. Dennoch lassen diese Erkenntnisse Raum für berechtigte Hoffnung.

Quelle:  Immun gegen HIV: Gendefekt schützt vor der Infektion – Deutsches Ärzteblatt Biologen führen HIV-Immunität von Europäern auf mittelalterliche Seuchen zurück | Nachrichten | CORDIS | Europäische Kommission Heilung von AIDS: Überraschend HIV-frei nach Stammzelltransplantation - Spektrum der Wissenschaft  Neue Hoffnung im Kampf gegen HIV: Stammzelltherapie heilt zweiten 'Berliner Patienten' Genmutation hinter HIV-Immunität ist tausende Jahre alt - Mensch - derStandard.de › Wissen und Gesellschaft  Tracing the evolutionary history of the CCR5delta32 deletion via ancient and modern genomes: Cell

 

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