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Die Zahl der Syphiliserkrankten lag 2019 laut dem Epidemiologischen Bulletin bei 7.889. Das stellt einen neuen Höchststand dar. Ein Großteil der Infektionen (ca. 85%) falle hier auf Männer zurück, die Sex mit Männern haben (MSM). Aufgrund der guten Therapiemöglichkeiten bei einer HIV-Infektion seit Mitte der 1990er Jahren führt diese nicht mehr unbedingt zu AIDS. Dadurch steige die Sorglosigkeit bei MSM und mit ihr auch die Zahl der an Syphilis Erkrankten kontinuierlich an (ausgenommen 2009).

Die meisten Infektionen erfolgen sexuell, wobei häufig wechselnde Partner und ungeschützter Geschlechtsverkehr die wichtigsten Risikofaktoren sind. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) gab es sowohl bei der Gruppe der heterosexuellen Männer als auch bei der Gruppe der Sexarbeiter*innen keinen Anstieg. Die Zunahme der Infektionen sei also vor allem auf die Gruppe MSM zurückzuführen. Die konnatale Syphilis ist in Deutschland aufgrund von entsprechenden Screenings sehr selten.

Vor Allem im städtischen Raum steigen die Infektionszahlen. So lag in Berlin die Inzidenz bei 39,7 pro 100.000 Einwohnern, was einem Anstieg von 22,9 % entspricht. Dabei gab es allerdings regionale Unterschiede: Beispielsweise lag die Inzidenz in Marzahn-Hellersdorf nur bei 6,7, in Friedrichshain-Kreuzberg dafür bei 92,7.Weitere Anstiege gab es u.a. in Sachsen (Dresden +89,8%, Leipzig +44,4%), Bochum (+63,7%), Wiesbaden (+43,0%), Wuppertal (+41,1%), Lübeck (+38,6%) und Mannheim (+26,9%). In Köln betrug der Anstieg 35,4%.

Außerdem wird ein Einfluss der Kostenübernahme für die HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) durch die Krankenkassen seit September 2019 diskutiert. Laut RKI ist es aber noch nicht abschätzbar, wie dieser aussieht. Einerseits könnten die Fälle weiter zunehmen, da durch die PrEP das HIV-Infektionsrisiko bei Verzicht auf Kondome gesenkt wird und die Zahl an ungeschütztem Geschlechtsverkehr dadurch steigen könnte. Andererseits schreibt die Leitlinie bei einer HIV-PrEP vor, dass alle drei Monate ein Test auf Syphilis durchgeführt werden sollte. Dadurch könnten Syphilis-Infektionen früher erkannt und somit Infektionsketten schneller unterbrochen werden.

Quelle: https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Neuer-Hoechststand-von-Syphilis-Infektionen-in-Deutschland-415319.html