Aktuelle Themen

Die Entwicklung eines neuartigen Moleküls, das in der Lage ist bestimmte Aminosäuren wie eine Pinzette zu greifen, ist an der Universität Duisburg-Essen gelungen. Durch dieses Molekül ist es wahrscheinlich möglich die Spermienflüssigkeit von Fibrillen, in denen sich HI-Viren und eventuell auch andere sexuell übertragbare Erreger verstecken, zu befreien.

Zudem konnte in Experimenten im Labor gezeigt werden, dass die molekulare Pinzette die Virushülle des HI-Virus zerstören kann, so dass die virozide Wirkung erhöht wäre. Bis dato wurde versucht Frauen durch ein Vaginalgel, in dem sich hohe Konzentrationen antiretrovirale Wirkstoffe befinden, Schutz bei unsicheren Sexualkontakten zu gewährleisten. Diese Gele konnten die Übertragung allerdings nicht verhindern, obwohl die Wirkstoffe sich bei oraler Gabe als effektiv erwiesen haben. Für dieses Versagen verantwortlich ist, laut Jan Münch vom Ulmer Institut für Molekulare Virologie, die spontane Bildung von Fibrillen aus einem prostataspezifischen Enzym (saure Phosphatase), welche die Viren vor den Arzneimitteln abschirmen.

Das neu entwickelte Molekül, zurzeit mit dem Namen CLR01, könnte hier einen Durchbruch bedeuten. Zudem konnten die Forscher beobachten, dass CLR01 nicht nur HI-Viren durch Öffnen der Virushülle vernichtet, sondern auch andere Erreger, wie z.B. Herpes- oder Hepatitis C-Viren angreift. Die Hoffnung der Forscher ruht nun in den klinischen Test, um die Ergebnisse aus den experimentellen Versuchen zu bestätigen.



Quelle: Deutsches Ärzteblatt (pw)

Aktuelle Studiendaten aus der Schweiz enthalten neue Informationen über Unterschiede in Verlauf und Behandlung der HIV-Infektion bei Frauen und Männern.
Während in der Vergangenheit Unterschiede zwischen Frauen und Männern beim Verlauf von Krankheiten oft ignoriert und in vielen klinischen Studien Frauen immer noch unterrepräsentiert sind, hat das Thema in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen.

Aktuell wurde eine neue Studie aus der Schweiz veröffentlicht, in der speziell nach Unterschieden zwischen männlichen und weiblichen HIV-Infizierten mit einer antiretroviralen Therapie (ART) gesucht wurde. Dafür wurden Daten aus der „Swiss-HIV-Cohort-Study“ verwendet, bei der zwischen 1998 und 2011, also 14 Jahre lang, Daten von ca. 4000 HIV-Patienten von Beginn der ART an erfasst wurden. Das Bemerkenswerte daran ist, dass in etwa genauso viele Frauen (1.941) wie Männer (1.984) in die Analyse eingeschlossen waren. Das Studienziel war das Erreichen einer Viruslast von unter 50 HIV-RNA-Kopien/ml.

Die Frauen waren im Mittel jünger und hatten eine höhere CD4-Zellzahl, sowie eine niedrigere Viruslast zu Studienbeginn. Trotzdem erreichten weniger Frauen das Therapieziel nach 12 und 24 Monaten, wohingegen nach 5 Jahren kein Unterschied in beiden Gruppen bestand. Außerdem stieg bei Frauen die mediane CD4-Zellzahl nach 12, 24 und 60 Monaten stärker an als bei Männern, jedoch kam es beim weiblichen Geschlecht häufiger zu Therapiewechseln und auch Therapieabbrüchen. Auf den ersten Blick also war die Dreifachkombinationstherapie bei Frauen weniger erfolgreich als bei Männern.

In einem weiteren Schritt, einer sogenannten Multivarianzanalyse, wurden soziodemografische Faktoren (z.B Migrationshintergrund, Bildungsniveau), eine Viruslast über 100.000 Kopien/ml, eine eventuelle Hepatitis-C-Koinfektion, sowie die Zusammensetzung der ART (NNRTI vs. PI) berücksichtigt. Negative Faktoren, also Faktoren, die das Erreichen des Therapieziels erschwerten, waren Migrationshintergrund, Drogengebrauch und höhere Viruslast zu Studienbeginn. Hierbei fanden sich nun keine Unterschiede mehr in der Erfolgsrate der ART zwischen Männern und Frauen. Offen bleibt jedoch wie die sozioökonomischen Faktoren den Therapieerfolg negativ beeinflussen. Vermutet wird eine suboptimale Adhärenz, welche jedoch in dieser Studie nicht näher untersucht wurde.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass diese Studie, die bisher größte Studie für einen Geschlechtervergleich im Hinblick auf die antiretrovirale Therapie ist. Durch den langen Studienzeitraum von 1998-2011 konnte die erhebliche Verbesserung der HIV-Therapie sowohl in der Wirksamkeit, als auch im Umgang mit den verfügbaren Medikamenten beobachtet werden. Und sie räumt mit der Behauptung auf, dass Frauen aufgrund ihrer Genetik und Biologie einen schlechteren Erfolg in der antiretroviralen Therapie haben, denn vor allem durch die aussagekräftige Multivarianzanalyse konnte der Geschlechtsunterschied aufgehoben werden.

Quelle: Project Information; Jahrgang 23, Nr.3; S.3-4 (ns)

Die steigende Zahl von Flüchtlingen in Deutschland zeigt sich auch bei den HIV-Neudiagnosen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin veröffentlichte einen Bericht aus dem hervorging, dass 2014 bundesweit 3525 neue Diagnosen gemeldet wurden, was einem Anstieg von 7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

Ein Großteil der Neudiagnostizierten stammt aus Ländern, in denen HIV besonders häufig ist. Man kann also davon ausgehen, dass die Übertragung bereits im Herkunftsland stattgefunden hat. Die steigenden Flüchtlingszahlen spiegeln sich somit in den HIV-Diagnosezahlen, besonders in der Gruppe der Heterosexuellen. Hier ergab sich ein vergleichsweise starker Anstieg der Neudiagnosen mit rund 30 Prozent mehr als noch 2013. Außerdem wuchs der relative Anteil der Neudiagnosen bei Menschen aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara von 10 auf 15 Prozent. Der Anstieg der gemeldeten Neudiagnosen ist aber nicht ausschließlich auf die steigenden Flüchtlingszahlen zurückzuführen, denn auch die Verbesserung der Datenerhebung spielt eine große Rolle.

Darüber hinaus darf die Zahl der HIV-Neudiagnosen nicht mit der Zahl der Neuinfektionen verwechselt werden. Durch die Zahl lässt sich kein Rückschluss auf das Infektionsgeschehen in Deutschland ziehen, sie gibt lediglich an, wie viele Menschen erstmals HIV-positiv getestet wurden. Die meisten von ihnen haben sich schon vor Jahren infiziert, sodass die Zahl der Neuinfektionen, laut RKI, nur geschätzt werden kann.

Quelle: Pharmazeutische Zeitung online (ns)