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In den nächsten Jahren ist zu erwarten, dass auch in der HIV-Therapie generische Präparate immer mehr an Bedeutung gewinnen. Generika sind Medikamente, die den gleichen Wirkstoff wie das Originalpräparat enthalten, sich jedoch in den eingesetzten Hilfsstoffen unterscheiden können. Ein Generikum hat somit die gleiche Wirkung wie das Originalpräparat, jedoch kann es in sehr wenigen Fällen durch die andere Hilfsstoffzusammensetzung zu Unverträglichkeiten oder auch Allergien führen.

Das erste Generikum im Bereich HIV ist analog zu Truvada und ist z.B. zugelassen für die Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP) von Hexal, welches in verblisterter Form im Rahmen eines Pilotprojektes in bestimmten Apotheken (siehe www.dahka.de)
in Deutschland für 50,05 € erhältlich ist. Seit 01. Dezember 2017 bietet auch Ratiopharm ein günstiges Generikum zu Truvada für 69,90 € an. Dieses ist in allen Apotheken erhältlich und wird nicht nur für die PrEP, sondern – in Kombination mit weiteren HIV-Medikamenten – auch für die HIV-Therapie eingesetzt. Ebenfalls seit Dezember erhältlich ist  Padviram, ein Generikum von Hexal zu Atripla, welches die Wirkstoffe Efavirenz, Emtricitabin und Tenofovir enthält.

Nachdem die ersten Generika für die Behandlung von HIV auf den Markt gekommen sind, ist es sehr wahrscheinlich, dass weitere folgen werden. Aufgrund dieser Tatsache, ist es möglich, dass auch im Bereich der HIV-Therapie in Zukunft Rabattverträge zwischen den Krankenkassen und pharmazeutischen Firmen geschlossen werden. Bei einem bestehenden Rabattvertrag übernehmen die Krankenkassen nur Medikamente, die von einem oder mehreren bestimmten Unternehmen - und somit zu einem für die Krankenkasse günstigen Preis - hergestellt werden. Da sich diese Verträge jedoch von Zeit zu Zeit ändern, kann es dazu führen, dass der Patient sein Arzneimittel von unterschiedlichen Firmen bekommt. Dies kann von Seiten des Arztes nur durch ein „aut idem“- Kreuz verhindert werden, welches dem Apotheker genau vorschreibt, welcher Hersteller abzugeben ist.

Bereits länger in die Therapie von HIV Einzug gehalten haben sogenannte Re-Importe. Dies sind Medikamente, die identisch mit dem Originalpräparat sind, da sie nicht nur den gleichen Wirkstoff enthalten, sondern auch denselben Hersteller haben. Trotzdem sind diese günstiger als die Originale, da sie im Ausland eingekauft werden, was den Apotheker zu einer bevorzugten Abgabe dieser Präparate verpflichtet. Oft findet man auf den Verpackungen dieser Re-Importe fremdsprachige Texte, welche schnell zu Verunsicherungen führen. Diese sind jedoch in aller Regel unbegründet, da Fälschungen durch ein sehr strenges Überwachungssystem so gut wie nie vorkommen.

Des Weiteren möchten wir auf die nun erhältliche Quartalspackung von Isentress 600 mit 180 Stück hinweisen, welches im Gegensatz zum Isentress 400 einmal täglich zu zwei Tabletten gegeben wird anstelle von zweimal täglich eine. Somit wurde nicht nur die Einnahme erleichtert, sondern auch die Zuzahlung gesenkt, die pro Quartal entrichtet werden muss.
 
Quelle: „Projekt Information“, Jahrgang 26 Nr. 1, Januar/Februar 2018

Bislang müssen HIV-Patienten täglich bis zu drei Tabletten einnehmen (nur in Einzelfällen mehr), um die Viruslast im Körper zu kontrollieren. Nun ist es Forschern jedoch gelungen eine Injektionstherapie gegen HIV erfolgreich zu testen. In einer in Deutschland durchgeführten Studie, die vor allem die Sicherheit der Therapie prüfte, wurden Patienten von einer oralen Therapie auf eine intramuskuläre Therapie im Abstand von vier bzw. acht Wochen umgestellt. Der Patient musste folglich nur noch einmal im Monat bzw. alle 2 Monate eine Spritze injizieren. Nach knapp zwei Jahren war die Viruskontrolle bei der Injektionstherapie sogar etwas besser als bei der konventionellen Tabletten-Einnahme. Bei 90 Prozent der Patienten wurde das Virus dauerhaft unterdrückt. Die häufigste Nebenwirkung waren Schmerzen an der Einstichstelle, die im Mittel nach drei Tagen abklangen.

Die Vorteile der neuen Therapie liegen auf der Hand. Eine seltenere Anwendung könnte dazu führen, dass Patienten sich zuverlässiger an Therapien halten. Zusätzlich besteht die neue Therapie aus nur zwei Substanzen wie sonst üblicherweise drei Substanzen. Dies würde sowohl die Kontrolle des HIV-Erregers verbessern als auch die Entstehung von Resistenzen gegen Wirkstoffe erschweren.

Zulassungsstudien für die neue Injektionstherapie laufen bereits. Wenn in diesen Studien die Ergebnisse bestätigt werden, steht in Zukunft eine effektive Alternative in der HIV-Therapie zur Verfügung, besonders für Patienten, die Probleme mit der Therapietreue oder beim Schlucken haben.

Quelle: www.handelsblatt.com/technik/medizin



Laut Weltgesundheitsorganisation waren im Jahr 2015 weltweit über 37 Millionen Menschen mit HIV infiziert. Mit der derzeitigen antiretroviralen Therapie kann die Erkrankung zwar gut kontrolliert werden, eine Heilung ist jedoch nicht möglich.

Verschiedene gentherapeutische Ansätze, die auf eine Heilung von HIV abzielen, befinden sich derzeit in der Entwicklung. So wird beispielsweise versucht T-Zellen zu erzeugen, die das Virus nicht aufnehmen, indem die Andockstelle, über die das Virus in die Zelle gelangt, zerstört wird.

Eine weitere Strategie ist es mit Hilfe von Enzymen die Erbsubstanz der HI-Viren zu zerstören, sodass keine funktionellen Viren mehr gebildet werden können.

Außerdem gibt es Ansätze, die durch Einschleusen bestimmter Gene dem eigenen Immunsystem die Fähigkeit verleihen, gezielt gegen Körperzellen vorzugehen, die mit HIV infiziert sind. Vergleichbare Mechanismen werden auch in der Krebstherapie entwickelt, die in diesem Bereich bereits sehr erfolgsversprechend scheinen.

Ebenso arbeiten Wissenschaftler gerade an einer Methode, bei der ein bestimmtes Gen in Muskelzellen gespritzt wird, sodass diese Zellen langfristig Antikörper gegen HI-Viren bilden. Auch hierbei wird das eigene Immunsystem bei der Zerstörung des Virus unterstützt.

Es gibt bereits viele Daten, die zeigen dass die verschiedenen Ansätze erfolgreich sein könnten. Dennoch wird es noch einige Jahre dauern bis diese gentherapeutischen Methoden eventuell in der Therapie eingesetzt werden können, da noch viele Studien notwendig sind, um die Wirksamkeit zu belegen und die Sicherheit für den Patienten zu gewährleisten. Weiterhin ist es wichtig, Therapien zu entwickeln, die kostengünstiger sind, da die gentherapeutischen Möglichkeiten derzeit noch sehr teuer sind.

Quelle: „Fight fire with fire: Gene therapy strategies to cure HIV“, Jon Huyghe, Sips Magdalena & Linos Vandekerckhove, http://dx.doi.org/10.1080/14787210.2017.1353911