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Die DAK übernimmt als erste gesetzliche Krankenkasse in Deutschland die Kosten für die HIV-Präexpositionsprophylaxe, kurz PrEP, als freiwillige Satzungsleistung. Dies beschloss die DAK bereits Ende 2018; das Bundesverwaltungsamt erteilte nun am 06. Februar die Genehmigung dazu.

„Die DAK-Gesundheit ist die erste große Kasse, die jetzt agiert und ihren Versicherten die sogenannte PrEP ermöglicht“, sagte eine DAK Unternehmenssprecherin. Die DAK wolle „neue Wege gehen“, weil die Zahl der Neuinfizierten trotz vielfältigen Bemühungen nicht zurückgehe. „Durch die PrEP wird der Einzelne vor einer HIV-Infektion bewahrt und unsere Versichertengemeinschaft vor den damit verbundenen Folgekosten“, erklärte Dieter Schröder, Vorsitzender des DAK-Verwaltungsrats. Nach Angaben der DAK kostet die PrEP pro Jahr 800€, eine HIV-Therapie im Schnitt 20.000€.

Die DAK folgt damit der Forderung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der die Krankenkassen im Sommer 2018 aufforderte die Kosten für die PrEP zu übernehmen. Ein entsprechender Entwurf des sogenannten Termin- und Versorgungsgesetzes soll in Zukunft dafür sorgen, dass gesetzlich krankenversicherte mit substanziellen HIV-Infektionsrisiko einen Anspruch auf die PrEP haben; und darüber hinaus die erforderliche ärztliche Beratung und Untersuchung von den Krankenkassen erstattet werden.

Die DAK erstattet im Detail bis zu 200€ im Quartal abzüglich der gesetzlichen Zuzahlung, höchstens jedoch die tatsächlich entstandenen Kosten. Als Vorrausetzungen gelten Vorgaben. Der Versicherte muss mindestens 16 Jahre alt sein. Die medikamentöse Art der PrEP ist definiert als eine Kombination der Wirkstoffe Tenofovirdisoproxil und Emtricitabin. Das entsprechende Arzneimittel muss in Deutschland zur Vorbeugung von Infektionen mit dem Humanen Immundefizienz-Virus (HIV-1) zugelassen sein. Nicht erstattet werden Kosten für Medikamente, welche aus dem Ausland mitgebracht oder eingeführt werden.

„Wir möchten, dass unsere Versicherten mit regulären Arzneimitteln versorgt werden, für die auch die entsprechenden Qualitätsstandards erfüllt sind“, teilte die DAK-Pressestelle mit.

Formal liegt der Erstattung ein entwertetes Privatrezept (bedruckt und abgestempelt) einer deutschen Apotheke zu Grunde. Versicherte können ein solches Rezept in einem DAK Servicezentrum oder auch per DAK Scan APP zur Erstattung einreichen. Wichtig: die DAK übernimmt auch rückwirkend ab dem 01. Januar 2019 die Kosten für die PrEP. Falls Sie also nachträglich ein Rezeptduplikat bzw. Zahlungsbelege für eine bereits in diesem Jahr bezogenen PrEP benötigen, so halten Sie hierzu Rücksprache mit Ihrem verschreibenden Arzt bzw. Ihrer beliefernden Apotheke.

Für den Fall, dass Ihnen Ihre Arztpraxis eine Privatrechnung für notwendige Vor- und Begleiterkrankungen ausgestellt hat, werden diese Kosten allerdings nicht von der DAK übernommen. Bleibt abzuwarten ob dem Beispiel der DAK weitere Krankenkassen folgen werden. Bislang sind laut Bundesversicherungsamt keine weiteren Anträge eingegangen. Bei den privaten Kostenträgern gibt es zumindest schon vereinzelte Fälle, in denen sowohl die PrEP Kosten für Medikamente als auch begleitenden Untersuchungen erstattet werden.

Quelle:  www.aerzteblatt.de; www.aidshilfe.de; Pressemitteilung DAK

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Versorgung von Patienten mit einer HIV-Infektion stetig verbessert. Um den genauen Verlauf zu analysieren und eventuelle Risikofaktoren für eine unzureichende Adhärenz festzustellen, wurden Daten der Studie „Klinische Surveillance der HIV-Erkrankung“ (ClinSurv HIV) analysiert. Hauptaussage war: ART möglichst sofort beginnen!

Die Studienpopulation bestand hauptsächlich aus Männern aus europäischen Ländern mit ca. 37 Jahren.

65 Prozent der Teilnehmer starteten die HIV-Therapie innerhalb von sechs Monaten, sieben Prozent innerhalb von einem Jahr und fünf Prozent innerhalb von 18 Monaten. Bei knapp 40 Prozent der Patienten bestand das Therapieregime aus nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NRTI), Proteasehemmern (PI) und einem Booster, bei 36 Prozent aus NRTI und Nicht-NRTI sowie bei neun Prozent aus NRTI plus Integrasehemmer.

Lange währte in den vergangenen Jahren die Debatte, wann der günstigste Zeitpunkt für den Therapiebeginn ist. Die Ergebnisse der START-Studie (Strategic Timing of Antiretroviral Therapy) sprechen dafür, die HIV-Therapie sofort nach der Diagnose zu beginnen, unabhängig davon, wie hoch die Zahl der CD4-positiven Zellen im Blut ist. Die Auswertung der Daten der ClinSurv-Studie spiegelt wieder, wie unterschiedlich die Entscheidung zum Therapiestart in den vergangenen Jahrzehnten getroffen wurde.

Die Wahrscheinlichkeit für einen Therapiebeginn bei HIV-infizierten Personen war generell umso geringer, je höher die CD4-Zellzahl war. So war die Chance für die HIV-Therapie bei einer Zellzahl ≥500/μl um 63 Prozent geringer als bei einer Zellzahl < 200/μl. Entsprechend den jeweils gültigen Leitlinien war die Wahrscheinlichkeit für einen frühen Therapiebeginn bei HIV-Diagnose in den Zeiträumen 2008–2014 (+ 29 Prozent) und 2015– 2016 (+ 44 Prozent) signifikant höher als bei Erstdiagnose vor 2001.

Eine weitere Aussage der Studie lautete: Starke Adhärenzzunahme in allen
Altersklassen.

Die Wissenschaftler untersuchten, welche Faktoren eine schlechte Adhärenz begünstigten. Sie entdeckten zum Beispiel, dass der Therapiebeginn in den Beobachtungszeiträumen 2002– 2007 und 2008–2014 deutlich später lag als in jüngster Zeit (2015–2016). Auffallend war auch, dass Patienten im Alter zwischen 18 und 39 Jahren eher später mit der antiretroviralen Therapie begannen als die Älteren.

Die Adhärenz nahm seit 2008 konstant zu, und zwar von 55 Prozent auf 94 Prozent im Jahr 2015. Dies spiegelt möglicherweise wider, dass die HIV-Infizierten inzwischen stärker gewillt sind, sich leitliniengemäß behandeln zu lassen und den Nutzen von Therapieleitlinien anerkannt haben. Auch die verbesserte medikamentöse Therapie durch neue Integrase- und Proteasehemmer trage zu einer höheren Compliance nicht zuletzt unter HIV-Therapeuten bei.

Quelle: https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/aids/article/976772/studie-clinsurv-infos-18-jahren-hiv-behandlung.html

Nur wenige wissen, dass unter einer HIV Therapie keine Übertragung mehr möglich ist. Ganz genau gesagt kennen nur 10 Prozent der Bevölkerung  diese wissenschaftliche Tatsache. Aufgrund dessen wurde eine Kampagne von der deutschen AIDS-Hilfe ins Leben gerufen: „wissenverdoppeln“. Diese fordert dazu auf sich zu informieren und auch anderen davon zu erzählen. Zunächst soll vor allem die Zahl der Informierten verdoppelt werden.

Durch diese Information könnte vielen geholfen werden, da viele unnötige Ängste vor HIV-positiven Menschen haben und diese oft mit Ablehnung rechnen müssen. Somit wäre durch ein einfaches Informieren aller Menschen vielen sehr geholfen. Ein Großteil der Menschen sind übervorsichtig, wenn sie mit HIV-positiven Menschen in Kontakt kommen zum Beispiel durch gemeinsam benutzte Trinkgläser, Fitnessgeräte oder Toiletten. Dabei ist eine HIV-Übertragung im Alltag ohnehin ausgeschlossen – unabhängig davon, ob jemand Medikamente nimmt oder nicht. Dass unter erfolgreicher Therapie selbst beim Geschlechtsverkehr keine HIV-Übertragung mehr möglich ist, beweisen mittlerweile mehrere große Studien. Die Studien beobachteten Tausende gemischt HIV-positiv-negative Paare, die über 100.000 Male auf Kondome verzichteten, ohne dass es zu einer Übertragung kam. So ist hier das Motto: „Schutz durch Therapie.“

Bei einer medikamentösen Therapie wird die Vermehrung von HIV im Körper unterdrückt. Dadurch ist das Virus nicht mehr im Blut nachweisbar und somit eine Übertragung auf sexuellem Wege nicht mehr möglich. Natürlich werden in jedem Fall eine regelmäßige Einnahme der Medikamente und die regelmäßige Kontrolle des Therapieerfolges vorausgesetzt.  Dank der heute verfügbaren HIV-Medikamente ist ein normales Leben und Altwerden möglich. Allerdings wird den Patienten oft der Alltag durch Diskriminierung erschwert. Doch diese sind vollkommen unbegründet, oft durch schlechte Informationen ausgelöst und mit Ängsten und moralischer Abwertungen des (vermuteten) Lebensstils der HIV-positiven Menschen verbunden. Daher ist das Ziel für die Zukunft das ganz selbstverständliche Miteinander zu ermöglichen, ohne Ängste, ohne Zurückweisung und Abwertung. „Das Wissen um die Nicht-Übertragbarkeit unter Therapie kann dazu entscheidend beitragen. In diesem Sinne: Geteiltes Wissen ist doppeltes Wissen!“ und somit das Motto der Kampagne.

Quelle: www.aidshilfe.de/meldung/kampagnenstart-hiv-therapie-uebertragbar