Aktuelle Themen

Das biotechnologische Unternehmen Abivax arbeitet derzeit an einem Wirkstoff zur funktionellen Heilung der HIV-Infektion bzw. von AIDS. In ersten Tests konnte gezeigt werden, dass die neue Leitsubstanz nicht nur die Viruslast zu senken vermag, sondern auch eine Neureplikation des HI-Virus nach erfolgreicher Therapie aus dem im Blut befindlichen HIV-Reservoir vermindert. Dieser Effekt ist bislang einzigartig und lässt auf eine Therapie hoffen, die dazu imstande sein könnte, das HI-Virus nachhaltig auch bis nach Therapieende zu bekämpfen.

Eine klinische Phase IIa-Studie, in der HIV-infizierte Patienten neben ihrer antiretroviralen Therapie über einen Zeitraum von 28 Tagen auch mit ABX464 behandelt werden, soll Aufschluss darüber geben, ob die sich vor allem im Darm befindlichen HIV-Reservoire mit dem Wirkstoff reduzierend beeinflussen lassen.

Neben den genannten Effekten konnte aus den präklinischen Daten auch ein positiver Einfluss auf chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa abgeleitet werden, da durch ABX464 vermehrt körpereigene Stoffe, sogenannte Zytokine, ausgeschüttet werden, die die entzündlichen Prozesse in der Darmschleimhaut zurückdrängen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass mit ABX464 von Abivax ein zu diesem Zeitpunkt vielversprechender Wirkstoffkandidat gefunden zu sein scheint, mit dem momentan noch nicht kausal zu therapierende Erkrankungen wie eine HIV-Infektion oder CED möglicherweise effektiv bekämpft werden könnten. Diese ersten Ergebnisse zu untermauern wird jedoch noch viel Zeit und Forschungsarbeit in Anspruch nehmen.

Quelle: www.abivax.com „Klinisches Entwicklungsprogramm mit ABX464 zur funktionellen Heilung von HIV-Patienten“ www.abivax.com „ABX464/HIV – ABX464, a small and first-in-class molecule that may lead to a functional cure in HIV-patients“

Der Wirkstoff Tenofoviralafenamid ist fixer Bestandteil einiger HIV-Kombinationspräparate wie Genvoya®, Odefsey® und Descovy®. Nun ist diese Substanz als Einzelpräparat gegen Hepatitis B zugelassen und voraussichtlich ab 1. April unter dem Handelsnamen Vemlidy® 25mg zu 30 Stück und 3x30 Stück verfügbar.

 Quelle: EMA-News

Eine Präexpositionsprophylaxe bietet einen extrem hohen Schutz vor einer HIV-Infektion, jedoch kann auch sie keine hundertprozentige Sicherheit gewährleisten.

Kürzlich wurde bei der Amsterdamer-PrEP-Studie CAM-PrEP von einem Fall berichtet, bei dem sich trotz bestehender PrEP ein Studienteilnehmer mit dem HIV-Virus infizierte.

Während bei den bisher zwei bekannten Fällen einer Infektion trotz PrEP immer eine Resistenz gegen das Medikament Truvada®, mit den Wirkstoffen Tenofovir(disoproxilfumarat) und Emtricitabin, vorlag, wies das Virus bei dem AmPrEp-Patienten keinerlei Resistenzen auf. Zudem konnten bei diesem Patienten, anders als bei einer HIV-Diagnose üblich, zuerst Antikörper gegen das HI-Virus anstatt Virusbestandteile ausfindig gemacht werden.

Die Forscher brachen infolgedessen die PrEP ab. Nach zwei bis drei Wochen konnten schließlich Virusbestandteile, wie Virus-RNA nachgewiesen werden und eine HIV-Kombinationstherapie wurde eingeleitet.

Bis heute konnte nicht geklärt werden, warum der Patient sich trotz bestehender PrEP mit HIV infizieren konnte. Er hatte (nach eigener Angabe) jeden Tag eine Tablette des Medikamentes eingenommen.

Zudem gab er an innerhalb eines Monats
mit 75 Männern Analverkehr ohne Kondom praktiziert zu haben. Dabei hatte er auch immer Drogen, wie Kokain oder Mephedron eingenommen.

Diese Angaben geben nun Anlass zur Spekulation wie der Patient sich trotz PrEP doch infizieren konnte. Möglicherweise spielt der rege Wechsel potentiell HIV-positiver Sexualkontakte eine Rolle. Auch ein geringer Wirkspiegel der Truvada® Wirkstoffe in der Enddarmschleimhaut könnte eine Infektion erklären. Ebenfalls lässt sich nicht mit hundertprozentiger Sicherheit bestätigen, ob der Patient die Truvada® Tabletten wirklich konsequent und regelmäßig eingenommen hat.

Es ist ersichtlich, dass trotz PrEP regelmäßige HIV-Tests weiterhin unabdingbar bleiben. Wie Kondome kann auch eine PrEP keinen absoluten Schutz bieten, jedoch zeigt die bisher außerordentlich geringe Anzahl von nur drei bekannten Fällen einer Infektion unter laufender PrEP, dass diese einen äußerst guten Schutz gegenüber einer HIV-Infektion bietet.

Alledem bleibt zu erwähnen, dass der besagte Patient innerhalb des Studienverlaufs zusätzlich eine Gonokokken-Infektion (Gonorrhö), sowie eine Chlamydien-Infektion erlitt.

Es ist daraus offenkundig, dass nur Safer-Sex im Hinblick auf sexuell-übertragbare Krankheiten ausreichend Schutz bieten kann. Eine PrEP sollte somit nicht ein „Freifahrtschein“ für ungeschützten Geschlechtsverkehr darstellen.

Quelle: http://magazin.hiv/2017/02/17/dritter-fall-einer-hiv-infektion-unter-funktionierender-prep