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Die antiretrovirale HIV-Therapie kann zu einer Erhöhung des LDL-Cholesterols führen und zudem die Zusammensetzung der Lipoproteine verändern. Der Arzneistoff Evolocumab hat nun in einer aktuellen Studie den LDL-Chloesterolwert bei einer Probandengruppe von HIV-infizierten Patienten mit erhöhten Cholesterinwerten und/oder anderen Fettstoffwechselstörungen deutlich gesenkt.

Bei Evolucumab handelt es sich um einen Antikörper, der ein spezielles Protein namens  PCSK9 abfängt. Dieses Protein bindet unter physiologischen Bedingungen an die LDL-Rezeptoren auf den Leberzellen, welche für die Aufnahme und den anschließenden Umbau von LDL zu Cholesterin zuständig sind. Der Rezeptor wird in Folge der Bindung an PCSK9 abgebaut und LDL kann nicht in die Zelle aufgenommen werden. Durch die Blockade von PCSK9 mit dem Antikörper Evolucumab, erhöht sich die Zahl der Rezeptoren.

Dem Hersteller Amgen, des PCSK9-Antikörpers Evolucumab zufolge, wurden die Ergebnisse der Studie, die an 467 Erwachsenen Erwachsenen Patienten mit bekannter HIV-Infektion durchgeführt würde, veröffentlicht. Die Patienten wurden im Hintergrund weiterhin mit der maximal tolerierbaren Statin Dosis behandelt und auch Patienten mit Statin-Intoleranz wurden mit eingeschlossen.

Unter den Placebo Behandelten ist der LDL-Cholesterol Wert erwartungsgemäß fast konstant geblieben, während er in der Evolucumab-Gruppe deutlich gesunken ist. Bei 71,9 % der Patienten in der Evolucumab-Gruppe sank der LDL-Wert um mindestens 50 % gegenüber dem Ausgangswert. Bei 65,4 % der Patienten konnte ein LDL-Cholesterol Wert kleiner als 70 mg/dl erreicht werden.

Neue Ergebnisse bezüglich der Sicherheit, wurden in der Studie nicht veröffentlicht. Evolocumab ist als Fertigarzneimittel in Deutschland zugelassen und verfügbar. Es wird mittels Pen unter die Haut gespritzt.

Quelle: https://www.aidshilfe.de/meldung/londoner-patient-hiv-heilung

Das lang-wirksame Cabotegravir könnte eine neue Therapiemöglichkeit für die Behandlung und Prävention der HIV-1 Infektion darstellen. Cabotegravir ist ein potenter Integrase-Stang Transfer-Inhibitor und ähnelt in seiner Struktur dem Wirkstoff Dolutegravir. Die Anwendung für die Präexpostions-Prophylaxe (PrEP) soll alle zwei bis drei Monate als intramuskulärer Injektion auf Basis der Nanopartikel-Technologie erfolgen.

Für die HIV-Behandlung soll eine monatliche Gabe der intramuskulären Injektion erfolgen. Als Depotpräparat weist es nach intramuskulärer Injektion eine lange Wirkdauer auf und wird im Körper nur langsam abgebaut (HWZ = ca. 40 Tage).

Der Abbau kann allerdings bei jedem Patienten variieren, so dass die Patienten unterschiedliche Halbwertszeiten aufweisen können (HWZ = 25 bis 54 Tagen).

Zudem könnte sich durch die langen Halbwertszeiten ein Absetzen der Therapie als problematisch erweisen, da noch über einen langen Zeitraum (ca. ein Jahr) Wirkstoffkonzentrationen im Blut vorhanden seien können. Rein theoretisch könnten infolgedessen Resistenzentwicklungen begünstigst werden.

Cabotegravir wird vorwiegend durch das Enzym Uridine Diphosphate Glucuronosyltransferase 1A1 (UGT1A1) verstoffwechselt und nicht maßgeblich durch den Cytochrome-P450-Stoffwechselweg beeinflusst, wodurch die Wechselwirkungsgefahr potentiell verringert sein kann.

Aus den pharmakokinetischen Studiendaten werden Hinweise auf eine effektive Enzymhemmung der Integrase durch die Behandlung geliefert.

Nebenwirkungen stellen vor allem Schmerzen und Druckempfindlichkeit an der Injektionsstelle nach. Dies beklagen ca. 80% der Studienteilnehmer der Studie HPTN 083.

Bei der HIV-Therapie erzielt die Kombination (two-drug-regims) des langwirksamen NNRTI Rilpivirin und des Integrasehemmers Cabotegravir Plasmakonzentrationen mit potentiell therapeutischen Effekten und generell guter Verträglichkeit. Diese Wirkstoffkombination (Cabotegravir/Rilpivirn) zur Behandlung der HIV-Infektion wurde jedoch von der FDA (US-Arzneimittelbehörde) aufgrund von Herstellungs- und Kontrollproblemen bisher noch nicht zugelassen. Ob die Wirkstoffkombination auch als Präexpostionsprophylaxe zugelassen wird, ist ebenfalls noch ungewiss.

Der Wirkstoff Cabotegravir weist somit Vorteile durch ein potentiell geringeres Risiko von Wechselwirkungen und die Möglichkeit eines größeren Therapieintervall wie z.B. die zwei- bis dreimonatliche Verabreichung der intramuskulären Injektion für die PrEP.

Die sehr lange und variierende Halbwertszeit innerhalb des Patientenkollektivs sind allerdings kritisch zu betrachten, so dass ggf. eine individuelle Dosisanpassung zur Überwachung der Plasmakonzentrationen in Erwägung gezogen werden sollte.

Quelle: Formulation and pharmacology of log-acting Cabotegravir, HIV: Monatliche Cabotegravir-Injektionen als Therapie apotheke adhoc, HIV-Schutz per Zwei-monats-Spritze: Studie belegt Wirksamkeit von Cabotegravir (Holger Sweers, magazin.hiv)

Aus der aktuellen Mitgliederumfrage der Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte geht hervor, dass sich entsprechend der Erwartungen, die Besuche von HIV-Patienten als Risikogruppe für COVID-19 in Praxen abgenommen haben. Dabei berichten etwa die Hälfte der von 60 beteiligten Schwerpunktpraxen seit Mitte März über einen leichten (40%) bis starken Rückgang (13,3%) der Besuche von HIV-Patienten.

Auch bei der Präexpositionsprophylaxe (PrEP) sind abnehmende Tendenzen zu beobachten. Hierbei zeigt sich bei 40% der Teilnehmer eine leichte Abnahme sowie bei 36.7% eine stärkere Abnahme der Patientenbesuche.

Die rückläufige Entwicklung lässt sich jedoch nicht zwingend auf das gesamte Leistungsaufkommen der Praxen übertragen. Zur Kurzarbeit sowie zu einer Verkürzung der Öffnungszeiten sei es, laut dagnä-Geschäftsführer Robin Rüsenberg, nur selten gekommen. Die HIV-Schwerpunktpraxen haben somit die pandemiebedingten Schwankungen der Besucherzahlen bisher recht gut bewältigt/standgehalten.

Mit der Lockerung der Maßnahmen bzgl. COVID 19 ist wieder ein Trend zur Normalität in Hinblick auf die HIV-Besucherzahlen zu beobachten. Dies kann sich allerdings schnell wieder ändern, sobald die Infektionszahlen erneut zunehmen sollten.

Quelle:  HIV-Praxen halte der Krise stand; Ärztezeitung